Diskrete und stetige Verteilungen im Vergleich
Kompetenzcode: WS 3.6
Bereich: Wahrscheinlichkeit und Statistik
Eine Zufallsvariable ordnet jedem Zufallsergebnis eine Zahl zu. Ob ihre möglichen Werte abzählbar oder stetig sind, bestimmt, wie Wahrscheinlichkeiten dargestellt und berechnet werden.
1. Diskrete und stetige Zufallsvariablen
Beispiel 1: Diskrete Zufallsvariable
Die Zahl der fehlerhaften Teile in einer Stichprobe von Teilen kann nur sein. Der Wertebereich ist endlich und damit diskret.
Beispiel 2: Stetige Zufallsvariable
Die Füllmenge einer Flasche kann innerhalb eines Messbereichs jeden reellen Wert annehmen. Auch wenn ein Messgerät rundet, wird die zugrunde liegende Größe stetig modelliert.
Beispiel 3: Kontext entscheidet
„Zeit in ganzen Minuten“ ist als erfasste Zählvariable diskret. Die tatsächliche Wartezeit in Sekundenbruchteilen ist stetig. Nicht die Bezeichnung allein, sondern Modell und Messweise entscheiden.
2. Wahrscheinlichkeitsfunktion, Dichte und Verteilungsfunktion
Für diskrete ordnet die Wahrscheinlichkeitsfunktion jedem möglichen Wert eine Masse zu:
Für stetige liefert eine Dichte Wahrscheinlichkeiten als Flächen:
Die Verteilungsfunktion gilt für beide Typen:
Beispiel 4: Diskrete Wahrscheinlichkeitsfunktion
Für seien , und . Dann ist
Die drei Balkenhöhen summieren sich zu .
Beispiel 5: Stetige Dichte
Sei gleichverteilt auf , also in diesem . Dann
Für einen einzelnen Wert gilt dagegen . Eine Dichtehöhe ist keine Einzelwahrscheinlichkeit.
Beispiel 6: Verteilungsfunktion lesen
Für die diskrete Verteilung aus Beispiel 4 ist , und . Die springt an den möglichen Werten. Bei einer stetigen Verteilung verläuft ohne solche Massensprünge.
3. Normalapproximation der Binomialverteilung
Für gelten
Ist die Binomialverteilung ausreichend breit, wird sie durch angenähert. Im Lerncoach wird dafür die Faustregel verwendet. Da ganzzahlig, aber stetig ist, verbessert die die Näherung.
Beispiel 7: Eignung prüfen
Für und gilt
Die Normalapproximation ist nach der Faustregel geeignet.
Beispiel 8: Ungeeignete
Für und ist
Die Verteilung ist schmal und deutlich schief. Hier soll die exakte Binomialverteilung verwendet werden.
Beispiel 9: Bereich mit Stetigkeitskorrektur
Für die Daten aus Beispiel 7 wird
Nach Standardisierung mit ergibt sich näherungsweise
Der exakte Technologiewert ist ; die Abweichung beträgt nur etwa .
Beispiel 10: Einseitige Ereignisse korrigieren
„Höchstens Treffer“ wird durch angenähert. „Mindestens Treffer“ wird durch angenähert. Die Halbkorrektur umfasst jeweils die vollständigen ganzzahligen Balken.
4. Wirkung von Erwartungswert und Standardabweichung
Beispiel 11: Parameter des Normalgraphen
Erhöht sich bei gleichem , verschiebt sich die Glockenkurve nach rechts. Erhöht sich bei gleichem , wird die Kurve breiter und niedriger; die Gesamtfläche bleibt .
Beispiel 12: Diskret und stetig gemeinsam deuten
Eine Binomialverteilung besteht aus Balken bei ganzzahligen Werten. Die approximierende Normalverteilung verteilt Fläche über ein Kontinuum. Die Stetigkeitskorrektur verbindet beide Darstellungen, indem ein Balken bei dem Intervall zugeordnet wird.
Typische Fehler
- Die Höhe einer Dichte wird als Wahrscheinlichkeit eines Einzelwerts gelesen.
- Bei stetigen Variablen wird angenommen.
- Die Normalapproximation wird ohne Eignungsprüfung verwendet.
- Für ganzzahlige Binomialgrenzen fehlt die Stetigkeitskorrektur.
- In werden Standardabweichung und Varianz verwechselt.
Merksätze
- Diskret: Wahrscheinlichkeiten addieren. Stetig: Flächen integrieren.
- gilt für beide Verteilungstypen.
- Für die Binomialapproximation sind und .