Parameterschätzung und Konfidenzintervalle
Kompetenzcode: WS 4.1
Bereich: Wahrscheinlichkeit und Statistik
Eine Stichprobe liefert Informationen über eine größere Grundgesamtheit. Ein einzelner Schätzwert ist zufallsabhängig; ein Konfidenzintervall ergänzt ihn um einen Bereich plausibler Parameterwerte.
1. Grundgesamtheit, Stichprobe und Schätzwerte
- Grundgesamtheit: alle interessierenden Untersuchungseinheiten.
- Stichprobe: die tatsächlich beobachteten Einheiten.
- : unbekannte Kennzahl der Grundgesamtheit, etwa , oder .
- Stichprobenkennzahl: aus Daten berechneter Schätzwert, etwa , oder .
Beispiel 1: Begriffe unterscheiden
Eine Schule möchte die mittlere tägliche Lernzeit aller Schülerinnen und Schüler kennen. Zufällig ausgewählte Personen werden befragt. Die Personen bilden die Grundgesamtheit, die Befragten die Stichprobe. Der unbekannte Mittelwert ist ein Parameter; der Stichprobenmittelwert ist sein Schätzwert.
Beispiel 2: Punktwerte aus einer Stichprobe
Für die Stichprobe gilt und
Mit der Stichprobenstandardabweichung
werden durch und durch etwa geschätzt.
2. Schätzen aus klassierten Daten
Bei klassierten Daten sind die Einzelwerte nicht mehr bekannt. Jede Klasse wird näherungsweise durch ihre Mitte vertreten.
Beispiel 3: Klassenmitten und Mittelwert
Für die Klassen , , mit Häufigkeiten lauten die Klassenmitten . Der geschätzte Mittelwert ist
Beispiel 4: Streuung aus Klassen schätzen
Mit denselben Klassenmitten ergibt sich näherungsweise
Da die tatsächlichen Werte innerhalb jeder Klasse unbekannt sind, sind beide Ergebnisse Näherungen.
3. Konfidenzniveau, Signifikanzniveau und Quantil
Ein zweiseitiges Konfidenzniveau verteilt die Restwahrscheinlichkeit auf beide Ränder. Für gilt und
Beispiel 5: Niveau und Quantil bestimmen
Bei Konfidenzniveau ist , also . Das benötigte Standardnormalquantil ist .
4. Konfidenzintervall für den Erwartungswert
Ist die Populationsstandardabweichung bekannt und das Modell geeignet, lautet das zweiseitige
Ist unbekannt, wird sie durch ersetzt und bei normalverteilter Grundgesamtheit das t-Quantil mit Freiheitsgraden verwendet:
Beispiel 6: Bekannte Standardabweichung
Gegeben seien , , und Konfidenzniveau. Der Standardfehler ist , daher
Beispiel 7: Unbekannte Standardabweichung
Für , , und ergibt sich
Technologie liefert das Intervall direkt, wenn Daten oder korrekt eingegeben und das t-Verfahren gewählt werden.
Beispiel 8: Intervall richtig interpretieren
Das Intervall bedeutet: Das verwendete Verfahren erzeugt bei sehr vielen gleichartigen Stichproben in etwa der Fälle Intervalle, die enthalten. Für das konkret berechnete Intervall sagt man im Kontext, dass Werte zwischen und mit den Daten auf diesem Vertrauensniveau vereinbar sind. ist nicht zufällig zwischen den Grenzen „mit Wahrscheinlichkeit“ verteilt.
Beispiel 9: Stichprobenumfang und Breite
Der Fehlerterm enthält . Wird bei sonst gleichen Bedingungen vervierfacht, halbiert sich die Intervallbreite. Ein höheres Konfidenzniveau verwendet dagegen ein größeres Quantil und macht das Intervall breiter.
5. Konfidenzintervall für die Standardabweichung
Für normalverteilte Daten kann ein Intervall für mit der Chi-Quadrat-Verteilung bestimmt werden. In der Lerncoach-Praxis wird dafür Technologie verwendet, weil die Quantile asymmetrisch sind.
Beispiel 10: Standardabweichung technologisch schätzen
Für , und Konfidenzniveau liefert das Chi-Quadrat-Verfahren näherungsweise
Das Intervall beschreibt plausible Werte der Streuung der Grundgesamtheit, nicht die Streuung einzelner Messwerte um .
6. Konfidenzintervall für einen Anteil
Bei Treffern in unabhängigen Beobachtungen ist
der Stichprobenanteil. Ein geeignetes Anteilsintervall soll Werte für die unbekannte Wahrscheinlichkeit schätzen. Technologie verwendet je nach Einstellung beispielsweise ein Wilson- oder exaktes Binomialintervall.
Beispiel 11: Stichprobenanteil und Intervall
Unter Befragten stimmen zu. Damit ist
Ein zweiseitiges -Wilson-Intervall ist näherungsweise
Im Kontext sind also Anteile von etwa bis mit der Stichprobe und dem gewählten Verfahren vereinbar.
Beispiel 12: Einfluss von beim Anteil
Bei gleichem beobachtetem Anteil führt ein größerer Stichprobenumfang im Regelfall zu einem engeren Intervall. Nahe oder und bei kleinen Stichproben soll kein ungeprüftes symmetrisches Näherungsintervall verwendet werden; ein geeignetes Technologieverfahren bleibt innerhalb .
Typische Fehler
- Parameter und Stichprobenwerte werden verwechselt.
- Bei unbekanntem wird ohne Begründung ein z- statt t-Intervall verwendet.
Merksätze
- Punktschätzung nennt einen Wert, Intervallschätzung einen plausiblen Bereich.
- Größeres senkt den Standardfehler ungefähr proportional zu .
- Bekannte Standardabweichung führt zum z-, unbekannte zur t-Intervallschätzung für .