Normalverteilung anwenden: Wahrscheinlichkeit, Quantil und
Du kennst die Glockenkurve, den Erwartungswert und die Standardabweichung bereits. Jetzt geht es um die eigentliche Entscheidung in einer Aufgabe:
Welche Größe ist gegeben - und welche wird gesucht?
Nach dieser Seite kannst du
- Wahrscheinlichkeiten einer normalverteilten Zufallsvariablen mit Technologie bestimmen und im Kontext deuten,
- Quantilfragen sicher aus Formulierungen wie „nur 5 % liegen darüber“ übersetzen,
- symmetrische Intervalle um berechnen und interpretieren,
- die -Regeln passend anwenden und
- Ergebnisse auf Plausibilität prüfen.
Vorwissen
Du brauchst aus WS 3.4 nur diese drei Ideen: liegt in der Mitte, beschreibt die Streuung und eine Wahrscheinlichkeit entspricht einer Fläche unter der Dichtekurve. Die Entstehung und Form der Glockenkurve wird hier nicht erneut hergeleitet.
Die drei Fragetypen auf einen Blick
Überlebensstrategie
Schreibe vor jeder Eingabe in die Technologie zuerst das gesuchte Ereignis mit auf. Dadurch erkennst du, welche Fläche beziehungsweise welcher Wert gemeint ist.
1. Wahrscheinlichkeit: Ein Wert wird zu einer Fläche
Bei einer Wahrscheinlichkeitsfrage kennst du den Wert oder die Grenzen. Gesucht ist der Anteil der Verteilung in diesem Bereich.
Wir verwenden durchgehend das Modell
Damit gilt:
Achtung bei der Eingabe
In der Formelsammlung wird die Normalverteilung als notiert. Viele Technologie-Befehle verlangen trotzdem und die Standardabweichung , nicht die Varianz . Lies die Eingabefelder genau.
Beispiel 1: Höchstens 80 Punkte
Die Punktezahl einer Prüfung sei normalverteilt mit und . Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, höchstens 80 Punkte zu erreichen?
Schritt 1: Zufallsvariable und Modell festhalten
Schritt 2: Signalwort übersetzen
„Höchstens 80“ bedeutet: 80 ist noch dabei, gesucht ist die Fläche links von 80.
Schritt 3: Technologie verwenden
Eingaben:
- untere Grenze:
- obere Grenze:
- Erwartungswert:
- Standardabweichung:
Die Technologie liefert
Schritt 4: In Prozent umrechnen
Schritt 5: Im Kontext antworten
Rund der Schüler:innen erreichen höchstens 80 Punkte.
Plausibilitätscheck
Die Grenze 80 liegt über dem Erwartungswert 70. Deshalb muss die gesuchte Wahrscheinlichkeit größer als sein. ist plausibel.
Merke: Signalwörter
- höchstens, maximal, nicht mehr als
- mindestens, wenigstens, nicht weniger als
- zwischen und
Beispiel 2: Zwischen 60 und 80 Punkten
Gesucht ist nun der Anteil zwischen zwei Grenzen.
Schritt 1: Ereignis notieren
Schritt 2: Technologie verwenden
Eingaben:
- untere Grenze:
- obere Grenze:
- Erwartungswert:
- Standardabweichung:
Schritt 3: Ergebnis ablesen
Schritt 4: Ergebnis deuten
Rund der Schüler:innen erreichen zwischen 60 und 80 Punkte.
Warum ist das Ergebnis symmetrisch?
Die Grenzen haben denselben Abstand zu :
Deshalb liegt der markierte Bereich symmetrisch um den Erwartungswert.
Tipp: Rechte Fläche
Falls deine Technologie nur die linke Fläche ausgibt, gilt
2. Quantil: Eine Fläche wird zu einem Wert
Bei einer Quantilfrage ist die Denkbewegung umgekehrt:
Ein -Quantil erfüllt
Beispiel 3: Welche Grenze überschreiten nur 5 %?
Welche Punktezahl wird nur von der Schüler:innen überschritten?
Schritt 1: Die Seite der Fläche klären
Rechts vom gesuchten Wert liegen . Links davon liegen daher
Schritt 2: Quantilgleichung notieren
Gesucht ist also das -Quantil.
Schritt 3: Quantil mit Technologie bestimmen
Eingaben:
- linke Fläche:
- Erwartungswert:
- Standardabweichung:
Die Technologie liefert direkt
Schritt 4: Ergebnis im Kontext deuten
Nur rund der Schüler:innen erreichen mehr als Punkte. Bei ganzzahligen Punktezahlen beginnt diese obere Gruppe daher bei 84 Punkten.
Derselbe Weg mit Standardisierung
Dieser Rechenweg zeigt, warum das Ergebnis entsteht. Für die linke Fläche gilt bei der Standardnormalverteilung
Mit
folgt schrittweise:
Damit erhältst du dasselbe Quantil wie bei der direkten Technologie-Eingabe.
Merke: Quantilübersetzung
„Die besten “ oder „nur liegen darüber“ beschreibt eine rechte Fläche. Für ein übliches Linksquantil musst du zuerst berechnen.
Typischer Fehler
rechts bedeutet nicht , sondern
3. Symmetrisches Intervall: Eine mittlere Fläche wird zu zwei Grenzen
Ein um symmetrisches Intervall hat die Form
Links und rechts bleibt gleich viel Fläche übrig.
Beispiel 4: Mittlere 90 %
Bestimme das um symmetrische Intervall, in dem die mittleren der Punkte liegen.
Schritt 1: Gesamte Randfläche berechnen
Außerhalb des Intervalls liegen
Schritt 2: Randfläche halbieren
Wegen der Symmetrie liegen auf jeder Seite
Schritt 3: Linke Fläche bis zur oberen Grenze bestimmen
Links von der oberen Grenze liegen
Also benötigen wir wieder
Schritt 4: Abstand vom Erwartungswert berechnen
Schritt 5: Beide Grenzen bestimmen
Untere Grenze:
Obere Grenze:
Schritt 6: Intervall und Bedeutung angeben
Die mittleren der Punkte liegen ungefähr zwischen und . Unterhalb und oberhalb dieses Intervalls liegen jeweils .
Überlebensstrategie: Symmetrisches Intervall
- Mittlere Fläche von abziehen.
- Rest durch 2 teilen.
- Obere Linksfläche bestimmen.
- Passendes Quantil berechnen.
- Grenzen als und angeben.
4. Die drei -Regeln
Für normalverteilte Zufallsvariablen gelten die folgenden Näherungen:
Merke
Die -Regeln liefern schnelle Näherungen für ganz bestimmte symmetrische Intervalle. Für andere Prozentwerte - etwa oder - brauchst du das passende Quantil.
Beispiel 5: Abfüllgewicht
Das Abfüllgewicht einer Packung sei normalverteilt:
In welchem Bereich liegen nach der -Regel ungefähr der Packungen?
Schritt 1: Passendes Intervall notieren
Schritt 2: Untere Grenze berechnen
Schritt 3: Obere Grenze berechnen
Schritt 4: Im Kontext antworten
Ungefähr der Packungen wiegen zwischen und .
Typische Fehler sicher vermeiden
Fehler 1: Varianz und Standardabweichung verwechseln
Bei
ist die Varianz , aber die Standardabweichung
Fehler 2: Die falsche Fläche eingeben
„Nur liegen darüber“ beschreibt rechts, aber links.
Fehler 3: Das Ergebnis ohne Kontext stehen lassen
ist nur ein Rechenergebnis. Eine vollständige Antwort nennt Anteil, Bezugsgröße und Grenze.
Fehler 4: Ein beliebiges Intervall als symmetrisch behandeln
Ein Intervall ist genau dann symmetrisch um , wenn
Schritteliste für WS 3.5
1. Gegebenes Modell lesen
Bestimme und . Prüfe, ob in der Notation die Varianz steht.
2. Gesuchte Größe erkennen
Entscheide: Suchst du eine Wahrscheinlichkeit, ein Quantil oder zwei symmetrische Grenzen?
3. Ereignis mathematisch notieren
Schreibe die Situation als , , oder .
4. Technologie passend verwenden
Gib Grenzen beziehungsweise Fläche sowie und ein. Verwende bei symmetrischen Intervallen auf beiden Seiten gleich große Randflächen.
5. Ergebnis prüfen und deuten
Vergleiche mit , Symmetrie oder einer -Regel und formuliere einen vollständigen Antwortsatz im Kontext.
Matura-Check
- Ich erkenne an der Fragestellung, ob eine Wahrscheinlichkeit oder ein Wert gesucht ist.
- Ich übersetze „höchstens“, „mindestens“, „zwischen“ und „nur … % darüber“ korrekt.
- Ich unterscheide von .
- Ich bestimme ein Quantil mit Technologie und kann seinen Wert deuten.
- Ich teile bei einem symmetrischen Intervall die Restwahrscheinlichkeit gleich auf beide Seiten auf.
- Ich kenne die Anteile , und .
Für die SRP
WS 3.5 ist laut Grundkompetenzkatalog ab dem Haupttermin 2026/27 (Mai 2027) gültig.
Jetzt selbst untersuchen
Nutze den Explorer unterhalb der Theorie. Beginne mit und und teste nacheinander:
- Warum wächst , wenn du nach rechts verschiebst?
- Wo liegt das Quantil, wenn nur der Werte darüber liegen?
- Wie verändern sich die Grenzen eines mittleren -Intervalls, wenn größer wird?