Diese Gleichungen sind linear, weil x nur in der ersten Potenz vorkommt.
Nicht linear sind beispielsweise:
x2=9,x1=4,x=3.
Eine häufige Grundform ist:
ax+b=c.
Für a=0 besitzt diese Gleichung genau eine Lösung.
Zentrales Ziel: Eine lineare Gleichung wird aus einem Sachzusammenhang entwickelt, händisch gelöst und anschließend mit Einheit und vollständigem Antwortsatz gedeutet.
2. Eine Gleichung aus einem Text aufstellen
Bei einer Sachaufgabe muss zuerst festgelegt werden, wofür die Variable steht.
Beispiel: Eintrittskarten
Eine Gruppe bezahlt 12€ Grundgebühr und zusätzlich 8€ pro Person. Insgesamt werden 76€ bezahlt.
Wir setzen:
n=Anzahl der Personen.
Die Gesamtkosten können auf zwei Arten beschrieben werden:
12+8n
und
76.
Da beide Ausdrücke dieselben Gesamtkosten darstellen, gilt:
12+8n=76.
Bestandteil
Bedeutung
12
feste Grundgebühr
8
Preis pro Person
n
gesuchte Personenzahl
76
bekannte Gesamtkosten
Merksatz: Eine Sachgleichung entsteht aus zwei gleichwertigen Beschreibungen derselben Größe.
3. Das Waagenprinzip
Eine Gleichung kann als Waage betrachtet werden. Damit die Gleichheit erhalten bleibt, muss auf beiden Seiten dieselbe zulässige Operation durchgeführt werden.
Aus
a=b
folgt zum Beispiel:
a+c=b+c.
Für c=0 gilt außerdem:
ac=bc
und
ca=cb.
Wichtig: Multiplizieren oder Dividieren ist nur mit einer sicher von null verschiedenen Zahl erlaubt.
4. Äquivalenzumformungen sichtbar anschreiben
Äquivalenzumformungen verändern die Lösungsmenge nicht. Jeder Rechenschritt wird direkt über dem Äquivalenzpfeil angegeben.
Beispiel
3x+5=20⟺−53x=15⟺:3x=5.
Die Schreibweise zeigt gleichzeitig:
welche Operation durchgeführt wird,
dass sie auf beiden Seiten gilt,
dass die neue Gleichung dieselbe Lösungsmenge besitzt.
Erlaubte Grundoperationen
auf beiden Seiten denselben Term addieren,
auf beiden Seiten denselben Term subtrahieren,
beide Seiten mit derselben von null verschiedenen Zahl multiplizieren,
beide Seiten durch dieselbe von null verschiedene Zahl dividieren,
beide Seiten korrekt vereinfachen.
Beim Vereinfachen wird der Schritt ebenfalls sichtbar beschriftet:
2x+3x+4=19⟺zusammenfassen5x+4=19.
5. Grundform ax+b=c
Gegeben ist:
ax+b=c.
Zuerst wird b auf beiden Seiten subtrahiert. Danach wird durch a dividiert:
ax+b=c⟺−bax=c−b⟺:ax=ac−b,a=0.
Zahlenbeispiel
7x−9=26⟺+97x=35⟺:7x=5.
6. Variable auf beiden Seiten
Gegeben ist:
5x+4=2x+19.
Zuerst werden die Variablenterme auf einer Seite gesammelt:
5x+4=2x+19⟺−2x3x+4=19⟺−43x=15⟺:3x=5.
Sinnvolle Strategie
Klammern auflösen.
Beide Seiten vereinfachen.
Variablenterme auf einer Seite sammeln.
Zahlenterme auf der anderen Seite sammeln.
Durch den Koeffizienten der Variablen dividieren.
Tipp: Wähle die Seite für die Variable so, dass möglichst wenige negative Vorzeichen entstehen.
Vor dem Aufstellen muss klar sein, wofür die Variable steht.
Klammer wird vergessen
Wenn die Länge x+5 zweimal vorkommt, muss geschrieben werden:
2(x+5).
Operation wird nur auf einer Seite durchgeführt
Falsch wäre:
x+3=8⟺x=8.
Richtig ist:
x+3=8⟺−3x=5.
Vorzeichenfehler
−(x−4)⟺Klammer auflo¨sen−x+4.
Durch null teilen
Eine Division ist nur zulässig, wenn der Divisor sicher nicht null ist.
Lösung wird nicht gedeutet
x=8 muss in einen vollständigen Satz im Sachzusammenhang übersetzt werden.
16. Arbeitsablauf
Schritt
Leitfrage
1. Kontext analysieren
Welche Größe ist gesucht?
2. Variable definieren
Wofür steht das Zeichen?
3. Gleichung aufstellen
Welche beiden Ausdrücke beschreiben dieselbe Größe?
4. Vereinfachen
Müssen Klammern aufgelöst oder Terme zusammengefasst werden?
5. Äquivalent umformen
Welche Operation isoliert die Variable?
6. Probe
Erfüllt die Lösung die ursprüngliche Gleichung?
7. Deuten
Was bedeutet die Lösung mit Einheit und im Kontext?
Das solltest du können: Lineare Gleichungen aus Sachzusammenhängen aufstellen, jeden Rechenschritt als Äquivalenzumformung sichtbar anschreiben, die drei Lösungsfälle unterscheiden, eine Probe durchführen und die Lösung im Kontext deuten.
7
Einheiten kontrollieren
Prüfe, ob beide Gleichungsseiten dieselbe Größenart und kompatible Einheiten besitzen.
8
Plausibilität testen
Setze einen einfachen Wert ein und prüfe, ob die zum Kontext passt.
AG 2.2 – Lineare Gleichung händisch lösen
Eine lineare durch nachvollziehbare Äquivalenzumformungen lösen.
1
Gleichung vereinfachen
Löse Klammern auf und fasse gleichartige auf jeder Seite zusammen.
2
Variablenterme sammeln
Bringe alle mit der gesuchten auf eine Seite.
3
Zahlenterme sammeln
Bringe alle übrigen Zahlenterme auf die andere Seite.
4
Koeffizienten bestimmen
Fasse die Variablenterme zu einem der Form ax zusammen.
5
Variable isolieren
Dividiere beide Seiten durch a, sofern aeq0 gilt.
6
Lösung notieren
Gib die Lösung mit geeigneter Lösungsmenge an.
7
Probe durchführen
Setze den Wert in die ursprüngliche ein.
8
Rechenweg prüfen
Kontrolliere Vorzeichen, Klammern und Operationen auf beiden Seiten.
AG 2.2 – Lineare Gleichungen mit Klammern und Brüchen lösen
Lineare mit Klammern, mehreren Variablentermen oder Bruchtermen strukturiert lösen.
1
Struktur erkennen
Markiere Klammern, Brüche und Variablenterme auf beiden Seiten.
2
Klammern bearbeiten
Wende das Distributivgesetz korrekt an und beachte Minuszeichen vor Klammern.
3
Brüche beseitigen
Multipliziere alle mit einem geeigneten gemeinsamen Nenner.
4
Beide Seiten vereinfachen
Fasse gleichartige getrennt auf jeder Seite zusammen.
5
Variable sammeln
Bringe alle Variablenterme auf eine Seite und alle Zahlenterme auf die andere.
6
Variable isolieren
Dividiere durch den verbleibenden von null verschiedenen .
7
Probe und Kontrolle
Prüfe die Lösung in der ursprünglichen , nicht nur in einer Zwischenform.
AG 2.2 – Lösungsfall einer linearen Gleichung beurteilen
Zwischen genau einer, keiner und unendlich vielen Lösungen unterscheiden.
1
Vollständig vereinfachen
Bringe die auf eine möglichst einfache Form.
2
Variable vorhanden
Bleibt ax=b mit aeq0, gibt es genau eine Lösung.
3
Widerspruch erkennen
Eine falsche Aussage wie 0=5 bedeutet keine Lösung.
4
Identität erkennen
Eine immer wahre Aussage wie 0=0 bedeutet, dass alle Werte der Grundmenge Lösungen sind.
5
Lösungsmenge notieren
Verwende {x0}, ∅ oder die angegebene Grundmenge.
6
Kontext prüfen
Deute, was der jeweilige Lösungsfall für die Sachsituation bedeutet.
AG 2.2 – Lösung einer linearen Gleichung im Kontext deuten
Eine berechnete Lösung mit Einheit, Wertebereich und Antwortsatz sachlich interpretieren.
1
Variable erinnern
Wiederhole, wofür die gelöste steht.
2
Einheit ergänzen
Ordne der Lösung die im Kontext vorgesehene Einheit zu.
3
Wertebereich prüfen
Prüfe Ganzzahligkeit, Nichtnegativität oder andere sachliche Bedingungen.
4
Probe im Kontext
Setze die Lösung in die ursprüngliche Situation oder Kostenformel ein.
5
Antwortsatz formulieren
Schreibe einen vollständigen Satz mit Zahl, Einheit und Bedeutung.
6
Plausibilität beurteilen
Kontrolliere, ob die Größenordnung realistisch ist.
7
Modellgrenzen beachten
Nenne gegebenenfalls Bedingungen, unter denen die den Kontext sinnvoll beschreibt.
AG 2.2 – Lineare Gleichung erkennen
Eine als linear in einer erkennen.
1
Gleichung erkennen
Prüfe, ob ein Gleichheitszeichen zwei verbindet.
2
Variable bestimmen
Identifiziere die , hinsichtlich derer Linearität beurteilt wird.
3
Exponenten prüfen
Die darf nach dem Vereinfachen nur in erster Potenz vorkommen.
4
Nichtlineare Strukturen ausschließen
Produkte von , Variable im Nenner, der Variable oder höhere Potenzen sprechen gegen Linearität.
5
Normalform gedanklich bilden
Eine lineare lässt sich auf die Form ax+b=0 zurückführen.
6
Urteil begründen
Nenne die höchste vorkommende Potenz beziehungsweise die lineare Form als Begründung.
AG 2.2 – Einschrittige lineare Gleichung lösen
Eine lineare mit einer Äquivalenzumformung lösen.
1
Variable isolieren wollen
Bestimme, welche einzelne Rechenoperation die noch mit einer Zahl verbindet.
2
Gegenoperation wählen
Wähle die inverse Operation, zum Beispiel Addition statt Subtraktion oder Division statt Multiplikation.
3
Äquivalenzumformung durchführen
Führe dieselbe Operation auf beiden Seiten der aus.
4
Variable freistellen
Vereinfache, bis x allein auf einer Seite steht.
5
Lösung notieren
Gib den gefundenen Wert als Lösung beziehungsweise Lösungsmenge an.
6
Probe machen
Setze den Wert in die Ausgangsgleichung ein und prüfe die Gleichheit.
AG 2.2 – Mehrschrittige lineare Gleichung lösen
Eine lineare mit mehreren Äquivalenzumformungen lösen.
1
Gleichung vereinfachen
Fasse zunächst gleichartige auf jeder Seite zusammen.
2
Konstanten ordnen
Bringe konstante Summanden mit Äquivalenzumformungen auf die passende Seite.
3
Variablenterm isolieren
Bringe den mit x schrittweise allein auf eine Seite.
4
Durch Koeffizienten teilen
Teile zuletzt durch den von 0 verschiedenen von x.
5
Lösung notieren
Schreibe den erhaltenen Wert als Lösung beziehungsweise Lösungsmenge.
6
Probe durchführen
Kontrolliere die Lösung in der ursprünglichen .
AG 2.2 – Variable auf beiden Seiten lösen
Eine lineare mit auf beiden Seiten lösen.
1
Variablenterme erkennen
Markiere alle mit x auf beiden Seiten der .
2
Variablenterme auf eine Seite bringen
Subtrahiere beziehungsweise addiere so, dass alle x- auf derselben Seite stehen.
3
Konstanten auf die Gegenseite bringen
Ordne die Zahlen ohne x auf der anderen Seite.
4
Gleichartige Terme zusammenfassen
Fasse die x- und die Konstanten jeweils zusammen.
5
Durch den Koeffizienten teilen
Isoliere x durch Division, sofern der nicht 0 ist.
6
Lösung prüfen
Setze den gefundenen Wert in die Ausgangsgleichung ein.
AG 2.2 – Lineare Gleichung mit Klammern lösen
Eine lineare nach dem Auflösen von Klammern lösen.
1
Klammern identifizieren
Markiere alle Klammern und die davor.
2
Klammern auflösen
Wende das Distributivgesetz auf beide Gleichungsseiten korrekt an.
3
Vorzeichen kontrollieren
Achte besonders auf negative vor einer Klammer.
4
Gleichartige Terme zusammenfassen
Vereinfache beide Seiten nach dem Ausmultiplizieren.
5
Lineare Gleichung lösen
Führe die nötigen Äquivalenzumformungen aus, bis die isoliert ist.
6
Probe durchführen
Prüfe die Lösung in der ursprünglichen mit Klammern.
AG 2.2 – Lineare Gleichung mit Brüchen lösen
Eine lineare mit Bruchtermen zweckmäßig lösen.
1
Nenner erfassen
Bestimme alle vorkommenden Zahlen- beziehungsweise konstanten Nenner.
2
Gemeinsames Vielfaches wählen
Wähle ein gemeinsames Vielfaches der Nenner, zweckmäßig meist das kleinste gemeinsame Vielfache.
3
Gleichung erweitern
Multipliziere beide Seiten der gesamten mit diesem gemeinsamen Vielfachen.
4
Brüche beseitigen
Kürze die Nenner und schreibe die entstehende bruchfreie lineare .
5
Lineare Gleichung lösen
Löse die vereinfachte mit Äquivalenzumformungen.
6
Probe durchführen
Setze die Lösung in die ursprüngliche Bruchgleichung ein.
AG 2.2 – Lösung durch Einsetzen prüfen
Eine gefundene Lösung durch Einsetzen in die Ausgangsgleichung überprüfen.
1
Zu prüfenden Wert einsetzen
Ersetze die in der ursprünglichen durch den gefundenen Wert.
2
Linke Seite berechnen
Berechne den Wert der linken Gleichungsseite vollständig.
3
Rechte Seite berechnen
Berechne den Wert der rechten Gleichungsseite vollständig.
4
Seiten vergleichen
Prüfe, ob beide Ergebnisse gleich sind.
5
Urteil formulieren
Bei Gleichheit ist der eingesetzte Wert eine Lösung; sonst nicht.
6
Fehler zurückverfolgen
Falls die Probe nicht stimmt, kontrolliere den vorherigen Lösungsweg auf Rechen- oder Vorzeichenfehler.
AG 2.2 – Lineare Gleichung ohne Lösung erkennen
Eine lineare ohne Lösung erkennen und begründen.
1
Gleichung vereinfachen
Löse Klammern auf und fasse gleichartige zusammen.
2
Variablenterme vergleichen
Bringe alle x- auf eine Seite und Konstanten auf die andere.
3
Widerspruch erkennen
Fällt die weg und bleibt eine falsche Aussage wie 0=5, ist die unlösbar.
4
Lösungsmenge folgern
Ein Widerspruch kann von keinem Wert erfüllt werden.
5
Leere Menge notieren
Gib die Lösungsmenge als ∅ an.
6
Begründung formulieren
Nenne die entstandene falsche Aussage als Grund für „keine Lösung“.
AG 2.2 – Kontextbedingung prüfen
Prüfen, ob eine mathematische Lösung im gegebenen Sachkontext zulässig ist.
1
Mathematische Lösung übernehmen
Starte mit dem rechnerisch gefundenen Wert.
2
Kontextbedingungen sammeln
Bestimme Bedingungen wie Positivität, Ganzzahligkeit, Obergrenzen, Mindestwerte oder physikalische Einschränkungen.
3
Einheit prüfen
Kontrolliere, ob der Wert zur verlangten Einheit und Größenart passt.
4
Wert mit Bedingungen vergleichen
Prüfe jede Sachbedingung einzeln.
5
Zulässigkeit entscheiden
Akzeptiere die mathematische Lösung nur, wenn alle Kontextbedingungen erfüllt sind.
6
Urteil begründen
Formuliere, warum der Wert im Sachkontext zulässig oder auszuschließen ist.
Befehl
Ersetze(<Ausdruck>, <Variable>, <Wert>)
Beispiel
Ersetze(3x + 5, x, 5)
Ergebnis:
20
5. Gleichung grafisch deuten
Die Gleichung
3x+5=20
kann als Schnittpunkt zweier verstanden werden.
f(x) = 3x + 5
g(x) = 20
Anschließend:
Schnittpunkt(f, g)
Der x-Wert des Schnittpunkts ist die Lösung.
6. Tarifvergleich darstellen
A(x) = 10 + 3x
B(x) = 5x
Dann:
Schnittpunkt(A, B)
Der Schnittpunkt zeigt, bei welcher Nutzungsanzahl beide Tarife denselben Preis haben.
7. Lösungsfälle sichtbar machen
Genau eine Lösung
Zwei Geraden schneiden sich einmal.
Keine Lösung
Zwei verschiedene parallele Geraden besitzen keinen Schnittpunkt.
Unendlich viele Lösungen
Beide beschreiben dieselbe Gerade.
Übersicht
Ziel
GeoGebra-Eingabe
Gleichung exakt lösen
Löse(..., x)
nur Lösungswerte erhalten
Lösungen(..., x)
Seiten getrennt untersuchen
LinkeSeite(...), RechteSeite(...)
Wert einsetzen
Ersetze(...)
grafische Lösung
Funktionen definieren und Schnittpunkt(...) verwenden
Wichtig: GeoGebra kann eine Lösung berechnen, aber nicht beurteilen, ob eine Personenanzahl, Länge oder andere Größe im Kontext zulässig ist.