Renten- und Kreditrechnung
Kompetenzcode: FA 9.2
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Eine Rente ist eine Folge gleich hoher Zahlungen in gleichen Zeitabständen. Jede Zahlung muss auf denselben Bewertungszeitpunkt auf- oder abgezinst werden. Deshalb beruhen Rentenformeln auf geometrischen Reihen.
1. Zahlungszeitpunkte und Rentenformeln
Mit und Zahlungen gelten bei gleicher Renten- und Zinsperiode:
Nachschüssig bedeutet Zahlung am Periodenende, vorschüssig am Periodenanfang.
Beispiel 1: Zahlungsstrom unterscheiden
Zahlungen bei sind nachschüssig. Zahlungen bei sind vorschüssig. Die vorschüssige Reihe liegt um eine Periode früher und besitzt daher am selben Endzeitpunkt den mehr.
Beispiel 2: Nachschüssiger Endwert
Fünf jährliche Zahlungen zu , :
Beispiel 3: Vorschüssiger Endwert
Beispiel 4: Barwerte
Für dieselben Daten gilt
2. Fehlende Rentengrößen und Umwandlungen
Beispiel 5: Ratenhöhe bestimmen
Ein nachschüssiger Endwert von soll in acht Jahren bei entstehen:
Beispiel 6: Laufzeit oder Zinssatz
Steht oder in der Rentengleichung, wird die mit Logarithmen beziehungsweise numerisch gelöst. Das Ergebnis muss anschließend in der ursprünglichen Formel geprüft werden. Ein nicht ganzzahliges ist bei vollständigen Zahlungen sachlich auf die nächste erforderliche Rate zu beziehen.
Beispiel 7: Rentenumwandlung
Eine Zahlungsreihe wird nicht durch bloßes Addieren umgewandelt. Man wählt einen Stichtag, berechnet den Bar- oder Endwert der alten Rente und setzt diesen Wert dem Bar- oder Endwert der neuen Rente gleich. So bleiben beide Zahlungsströme finanziell äquivalent.
Beispiel 8: Schuldkonvertierung
Schulden heute und in zwei Jahren sollen bei durch eine Zahlung in einem Jahr ersetzt werden:
Alle Beträge wurden auf übertragen.
3. Effektivzinssatz und Angebotsvergleich
Der Effektivzinssatz ist jener periodische Satz, bei dem der Barwert aller Auszahlungen gleich dem Barwert aller Einzahlungen ist. Gebühren und abweichende Zahlungszeitpunkte werden dadurch mitberücksichtigt.
Beispiel 9: Effektivzinssatz deuten
Ein Kredit zahlt heute aus und verlangt vier nachschüssige Jahresraten zu . Der Effektivzinssatz erfüllt
Eine numerische Lösung ergibt . Ein zusätzlicher Nominalsatz allein wäre für diesen Zahlungsstrom nicht aussagekräftig. Für den Vergleich gleichartiger Angebote sind außerdem Laufzeit, Restschuld, Sondertilgung und Gesamtbelastung relevant.
4. Annuitätenschuld und Tilgungsplan
Bei einer Annuitätenschuld bleibt die Gesamtzahlung konstant:
In Periode gilt
Beispiel 10: Annuität berechnen
Für , , gilt
Beispiel 11: Erste zwei Tilgungsperioden
Mit sinkender Restschuld sinkt der Zinsanteil und steigt der Tilgungsanteil.
Beispiel 12: Spar- und Kreditangebote beurteilen
Zwei Angebote werden auf identische Einzahlungs- beziehungsweise Auszahlungszeitpunkte gebracht. Danach vergleicht man Barwert oder Endwert, Effektivzinssatz, Gesamtzahlungen und Restschuld. Ein niedriger Ratenbetrag kann wegen längerer Laufzeit zu einer höheren Gesamtbelastung führen.
Typische Fehler
- Vorschüssig und nachschüssig unterscheiden sich um genau eine Zinsperiode.
- Rentenperiode und Zinsperiode müssen übereinstimmen oder zuvor umgerechnet werden.
- Gebühren werden beim Effektivvergleich als eigener Zahlungsstrom behandelt.
- Im Tilgungsplan werden Zinsen von der Restschuld vor der Zahlung berechnet.
- Rundungsabweichungen können bei der letzten Rate ausgeglichen werden.
Merksätze
- Erst Zeitachse und Bewertungszeitpunkt, dann Formel.
- Finanzielle Äquivalenz bedeutet gleicher Wert am selben Stichtag.
- Die Annuität bleibt konstant, ihre Aufteilung in Zins und Tilgung verändert sich.
- Angebote werden über vollständige Zahlungsströme verglichen.