Zinsrechnung
Kompetenzcode: FA 9.1
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Zinsrechnung beschreibt, wie sich Kapital über die Zeit verändert. Vor jeder Rechnung werden die Größen samt Zeitraum festgelegt:
1. Einfache Verzinsung und Zinseszins unterscheiden
Bei einfacher Verzinsung werden Zinsen nur vom Anfangskapital berechnet:
Beim Zinseszins werden gutgeschriebene Zinsen mitverzinst:
Beispiel 1: Kenngrößen zuordnen
„ werden vier Jahre zu p. a. angelegt.“ Somit sind , , ; gesucht ist .
Beispiel 2: Einfache Verzinsung
Der jährliche Zinsbetrag bleibt .
Beispiel 3: Zinseszins
Der Unterschied zur einfachen Verzinsung entsteht durch Zinsen auf frühere Zinsen.
2. Unbekannte Größen beim Zinseszins
Beispiel 4: Anfangskapital bestimmen
Nach sechs Jahren sollen bei genau vorhanden sein:
Beispiel 5: Zinssatz bestimmen
wachsen in fünf Jahren auf :
Der Jahreszinssatz beträgt ungefähr .
Beispiel 6: Laufzeit bestimmen
sollen bei auf wachsen:
Bei jährlicher Gutschrift wird das Ziel erst nach der sechsten vollständigen Zinsperiode erreicht.
3. Unterjährige Verzinsung
Bei Zinsperioden pro Jahr und Periodenzinssatz gilt
Ist ein nomineller Jahreszinssatz angegeben, der gleichmäßig aufgeteilt wird, setzt man häufig . Ein effektiver Jahreszinssatz ist dazu äquivalent, wenn
Beispiel 7: Monatliche Verzinsung
werden drei Jahre zu nominal p. a. mit monatlicher Gutschrift verzinst. Es gilt :
Beispiel 8: Effektiven Jahreszinssatz berechnen
Für gilt
Der Effektivsatz ist wegen der unterjährigen Zinseszinsen größer als .
Beispiel 9: Äquivalenten Monatszinssatz bestimmen
Ein effektiver Jahreszinssatz von entspricht
4. Stetige Verzinsung
Bei stetiger Verzinsung mit kontinuierlicher Rate gilt
Beispiel 10: Stetiges Kapitalwachstum
Für , und ergibt sich
Der dazu äquivalente effektive Jahreszinssatz ist .
5. Modelle vergleichen und auswählen
Beispiel 11: Vier Modelle vergleichen
Für dasselbe , dieselbe nominelle Rate und dieselbe Laufzeit steigt das Endkapital typischerweise mit der Zahl der Gutschriften: einfache Verzinsung, jährlicher Zinseszins, häufigere unterjährige Verzinsung, stetige Verzinsung. Ein fairer Vergleich verlangt jedoch äquivalente effektive Jahreszinssätze und identische Gebühren.
Beispiel 12: Passendes Modell begründen
- Verzugszinsen ohne Kapitalisierung: einfache Verzinsung.
- Sparkonto mit jährlicher Gutschrift: jährlicher Zinseszins.
- Konto mit monatlicher Gutschrift: unterjährige Verzinsung.
- Theoretisches kontinuierliches Wachstumsmodell: stetige Verzinsung.
Die Vertragsangabe entscheidet; das mathematisch größte Ergebnis ist nicht automatisch das sachlich richtige Modell.
Typische Fehler
- wird als , nicht als eingesetzt.
- Zinssatz und Laufzeit müssen sich auf dieselbe Periodenlänge beziehen.
- Nominaler und effektiver Jahreszinssatz sind nicht dasselbe.
- Bei einer berechneten Laufzeit wird geprüft, ob nur vollständige Zinsperioden zulässig sind.
Merksätze
- Einfache Verzinsung ist linear, Zinseszins exponentiell.
- Beim Abzinsen wird durch den Aufzinsungsfaktor dividiert.
- Äquivalente Zinssätze erzeugen über denselben Zeitraum denselben .
- Das Vertragsmodell bestimmt die Formel.