Interaktive Visualisierung
Logarithmische Skalierungen verstehen
Vergleiche lineare und logarithmische Achsen und beobachte, wie gleiche Faktoren zu gleichen Abständen werden.
Wert
Lineare Skala
Logarithmische Skala
Linear
Gleiche Abstände bedeuten gleiche Differenzen, zum Beispiel .
Logarithmisch
Gleiche Abstände bedeuten gleiche , zum Beispiel .
Position
Auf einer Zehner-Log-Skala richtet sich die Position nach .
Merke: Auf einer logarithmischen Skala wird nicht die Zahl selbst gleichmäßig verteilt, sondern ihr Logarithmus. Deshalb liegen in gleichen Abständen.
Logarithmische Skalierungen
Kompetenzcode: FA 7.2
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Eine lineare Skala verteilt Zahlenwerte gleichmäßig. Eine logarithmische Skala verteilt dagegen die Logarithmen der Zahlenwerte gleichmäßig. Dadurch lassen sich Größen darstellen, die sich über mehrere Zehnerpotenzen erstrecken.
Leitidee: Auf einer linearen Achse bedeuten gleiche Abstände gleiche Differenzen. Auf einer logarithmischen Achse bedeuten gleiche Abstände gleiche .
Der interaktive Explorer oberhalb der Theorie zeigt diesen Unterschied unmittelbar. Die folgenden Abschnitte liefern die Rechenwege zum sicheren Ablesen, Eintragen und Deuten.
1. Eine logarithmische Achse erkennen
Bei einer logarithmischen Zehnerskala wird die Koordinate eines positiven Wertes durch
bestimmt. Deshalb liegen die Zehnerpotenzen
in gleichen Abständen. Die Zahlenunterschiede werden dabei immer größer, der Faktor zwischen benachbarten Hauptmarken bleibt aber stets .
Beispiel 1: Achsentyp erkennen
Auf einer Achse liegen , , und in gleichen Abständen. Es gilt
Die Abstände stehen somit für denselben Faktor. Die Achse ist logarithmisch skaliert.
Beispiel 2: Eine lineare Achse abgrenzen
Die Werte , , und liegen in gleichen Abständen. Hier sind die Differenzen gleich:
Die Quotienten sind dagegen nicht konstant. Daher ist die Achse linear und nicht logarithmisch skaliert.
2. Dekaden und Zwischenmarken verstehen
Der Abschnitt von bis heißt Dekade. Innerhalb jeder Dekade wiederholt sich dasselbe Muster. Die Marke mit besitzt innerhalb der Dekade die relative Position
Wichtige Näherungswerte sind
Die Marke liegt daher nicht in der Mitte der Dekade, sondern erst bei ungefähr ihrer Länge. Die Abstände der Zwischenmarken werden nach rechts immer kleiner.
Beispiel 3: Beschriftete Zwischenmarke ablesen
Gesucht ist die dritte Zwischenmarke in der Dekade von bis . Die Dekade beginnt bei . Daher steht die Marke für
Der abgelesene Wert ist , nicht und nicht .
Beispiel 4: Einen Wert aus einer relativen Position bestimmen
Ein Punkt liegt der Dekadenlänge rechts von . Für die logarithmische Koordinate gilt
Somit ist
Der Wert lautet näherungsweise . Eine lineare Rechnung würde fälschlich ergeben.
3. Werte auf einer logarithmischen Achse eintragen
Für einen positiven Wert wird zuerst die passende Dekade bestimmt. Liegt
dann ist die relative Position innerhalb dieser Dekade
Bei einer gezeichneten Dekadenlänge beträgt der Abstand vom linken Rand .
Beispiel 5: Den Wert eintragen
Der Wert liegt in der Dekade von bis . Daher ist . Es folgt
Der Punkt liegt also ungefähr der Dekadenlänge rechts von , genau an derselben relativen Stelle wie zwischen und .
Beispiel 6: Position auf einer gezeichneten Achse
Die Dekade von bis ist lang. Der Wert soll eingetragen werden.
Der Punkt liegt etwa rechts von .
Definitionsgrenze: Eine reelle logarithmische Achse enthält nur positive Werte. Für und ist im Reellen nicht definiert.
Beispiel 7: Warum nicht eingetragen werden kann
Für immer kleinere positive Zahlen gilt
Die logarithmische Koordinate wandert unbegrenzt nach links. Es gibt daher keine endliche Achsenposition für .
4. Abstände als Verhältnisse deuten
Für zwei positive Werte ist ihr logarithmischer Abstand
Der Abstand hängt also vom Quotienten und nicht von der Differenz ab. Derselbe Abstand nach rechts bedeutet Multiplikation mit demselben Faktor; derselbe Abstand nach links bedeutet Division durch diesen Faktor.
Beispiel 8: Gleiche Abstände fortsetzen
Die Werte und besitzen den Faktor
Ein weiterer gleich großer Schritt nach rechts führt daher zu
Die Folge gleich weit entfernter Punkte lautet .
Beispiel 9: Mittelpunkt einer logarithmischen Strecke
Der Mittelpunkt zwischen und besitzt die mittlere logarithmische Koordinate:
Allgemein ist die logarithmische Mitte zweier positiver Werte das geometrische Mittel
Tatsächlich gilt . Der lineare Mittelwert liegt nicht in der logarithmischen Mitte.
5. Einfach- und doppeltlogarithmische Darstellungen
Eine Darstellung heißt einfachlogarithmisch, wenn genau eine Achse logarithmisch skaliert ist. Sind beide Achsen logarithmisch skaliert, heißt sie doppeltlogarithmisch.
Welche Achse bei einer einfachlogarithmischen Darstellung logarithmisch ist, muss immer an den Achsenmarken geprüft werden.
Beispiel 10: Exponentialfunktion einfachlogarithmisch darstellen
Für
ergibt das Logarithmieren der y-Werte
Zwischen und besteht ein linearer Zusammenhang. Deshalb erscheinen die Punkte bei linearer x-Achse und logarithmischer y-Achse als Gerade. Ihre ist .
Beispiel 11: Potenzfunktion doppeltlogarithmisch darstellen
Für
gilt
Zwischen und besteht ein linearer Zusammenhang. In einer doppeltlogarithmischen Darstellung entsteht daher eine Gerade mit Steigung .
Beispiel 12: Geeignete Darstellung auswählen
Messwerte reichen bei von bis , während nur zwischen und liegt. Der große Wertebereich betrifft nur die x-Achse. Eine einfachlogarithmische Darstellung mit logarithmischer x-Achse und linearer y-Achse ist daher zweckmäßig. Eine doppeltlogarithmische Darstellung würde die y-Achse unnötig verändern.
6. Logarithmische Achse und Logarithmusfunktion unterscheiden
Eine logarithmische Achse ist eine Darstellungsentscheidung: Der ursprüngliche positive Wert wird an der Position eingezeichnet, die Achse bleibt aber mit -Werten beschriftet.
Der Graph einer Logarithmusfunktion wie
ist dagegen ein funktionaler Zusammenhang zwischen und . Er kann auf gewöhnlichen linearen Achsen gezeichnet werden. Eine logarithmische Achse macht einen Graphen also nicht automatisch zu einer Logarithmusfunktion.
7. Typische Fehler
8. Arbeitsabläufe
Logarithmische Achse erkennen
- Mehrere gleich weit entfernte Achsenmarken auswählen.
- Ihre aufeinanderfolgenden Differenzen vergleichen.
- Ihre aufeinanderfolgenden Quotienten vergleichen.
- Bei konstanten Differenzen eine lineare Skala erkennen.
- Bei konstanten positiven Quotienten eine Log-Skala erkennen.
- Achsentyp und verwendete Basis aus der Beschriftung festhalten.
Wert von einer Log-Achse ablesen
- Die beiden benachbarten Zehnerpotenzen bestimmen.
- Den Exponenten der linken Dekadengrenze notieren.
- Die Zwischenmarke beziehungsweise relative Position erfassen.
- Den Mantissenwert zwischen und bestimmen.
- Den Wert bilden.
Wert auf einer Log-Achse eintragen
- Prüfen, ob der Wert positiv ist.
- Die Dekade bestimmen.
- berechnen.
Logarithmische Abstände deuten
- Zwei positive Werte und ihre Richtung erfassen.
- Den Quotienten berechnen.
- Den Abstand als deuten.
Darstellung auswählen
- Wertebereiche von x und y getrennt untersuchen.
- Additives, exponentielles oder potenzförmiges Muster vermuten.
- Festlegen, welche Achse einen logarithmischen Maßstab benötigt.
- Linear, einfachlogarithmisch oder doppeltlogarithmisch wählen.
- Geradlinigkeit nur als Modellhinweis und nicht als Beweis deuten.
- Achsenbeschriftung, Einheiten und Definitionsbereich prüfen.
Merksätze
- Auf einer linearen Achse zählen Differenzen, auf einer logarithmischen Achse Faktoren.
- Eine Dekade reicht von bis .
- Innerhalb einer Dekade ist die relative Position.