Mehrere Schwingungen können sich verstärken, abschwächen oder sogar vollständig auslöschen. Haben sie dieselbe Kreisfrequenz ω, dann ist ihre Summe wieder eine einzelne Sinusschwingung mit genau dieser Kreisfrequenz. Nur Amplitude und Phase ändern sich.
yk(t)=Aksin(ωt+φk)
Leitidee: Jede Schwingung wird durch einen Zeiger beschrieben. Zeiger lassen sich komponentenweise addieren. Der Summenzeiger liefert unmittelbar die neue Amplitude und Phase.
1. Eine Sinusschwingung als Zeiger lesen
Zur Schwingung
y(t)=Asin(ωt+φ)
gehört der Schwingungszeiger
z=(
Seine Länge ist die Amplitude A, sein Winkel zur positiven waagrechten Achse ist die Phase φ. Die Kreisfrequenz steht nicht in den beiden Komponenten, muss aber für alle zu addierenden Schwingungen gleich sein.
Beispiel 1: Zeiger aus Amplitude und Phase bestimmen
Gegeben ist
y1(t)=4sin(ωt+30∘).
Dann gilt
C1
Somit lautet der Zeiger
z
Beispiel 2: Amplitude und Phase aus Komponenten zurückgewinnen
Gegeben ist
z=(−3
Die Länge ist
A=(−3)2+(33
Der Zeiger liegt wegen C<0 und D>0 im II. Quadranten. Daher ist
φ=120∘=32π.
Die zugehörige Schwingung lautet
y(t)=6sin(ωt+120∘)
2. Warum die Komponentenform funktioniert
Mit dem Additionstheorem
sin(α+β)=sin(α)cos(β)+cos(α)sin(β)
erhält man
Asin(ωt+
Dabei sind
C=Acos(φ),D
Gleichfrequente Schwingungen besitzen dieselben Grundbausteine sin(ωt) und cos(ωt). Deshalb können deren getrennt addiert werden.
3. Schwingungszeiger addieren
Für
y1(t)=A1
werden zunächst die Komponenten berechnet:
z
Dann gilt
z
Beispiel 3: Gleichphasige Schwingungen verstärken sich
y1(t)=3sin(ωt),y
Beide Zeiger zeigen in dieselbe Richtung:
z
Also
z=(
Beispiel 4: Gegenphasige Schwingungen schwächen sich ab
y1(t)=7sin(ωt),y
Da cosπ=−1 und sinπ=0, gilt
z
Somit
z=(
Beispiel 5: Senkrechte Zeiger
y1(t)=3sin(ωt),y
Die Zeiger sind
z
Die resultierende Amplitude ist
A=32+42
Für die Phase gilt
φ=atan2(4,3)≈53,13∘.
Also
y(t)≈5sin(ωt+53,13∘)
4. Aus dem Summenzeiger Amplitude und Phase bestimmen
Aus
z=(CD
folgt
A=C2+D2
und
φ=atan2(D,C).
Die atan2(D,C) berücksichtigt die Vorzeichen beider Komponenten und liefert dadurch den richtigen Quadranten. Ein bloßes arctan(D/C) kann einen um 180∘ falschen Winkel ergeben und ist für nicht verwendbar.
Beispiel 6: Vollständige Überlagerung mit beliebigen Phasen
y1(t)=2sin(ωt+30
Die Komponenten sind
z
Damit
z=
Für die Amplitude ergibt sich exakt
A2
also A=13≈3,606. Die Phase ist
φ=atan2(−1,598;3,232)≈−26,31∘.
Somit
y(t)≈3,606sin(ωt−26,31∘)
Beispiel 7: Drei Zeiger löschen sich vollständig aus
Drei Schwingungen haben jeweils Amplitude 2 und die Phasen 0∘, 120∘ und 240:
Die Summe ist
z1+
Damit ist A=0 und
y(t)=0.
Bei Amplitude null ist keine eindeutige Phase festgelegt, weil der Nullzeiger keine Richtung besitzt.
Beispiel 8: Den richtigen Quadranten sichern
Für einen Summenzeiger
z=(−3−
ist
A=(−3)2+(−4)2
Der Zeiger liegt im III. Quadranten. Daher liefert
φ=atan2(−4,−3)≈−126,87∘
beziehungsweise gleichwertig 233,13∘. Der Wert
arctan(−3−4)≈53,13∘
wäre im falschen Quadranten.
5. Die Summe als einzelne Sinusfunktion schreiben
Der vollständige Rechenweg lautet:
k=1∑nA
mit
C=k=1∑nAA=C2+D2
Beispiel 9: Sinus- und Cosinusanteil zusammenfassen
y(t)=5sin(2t)+5cos(2t).
Da
5cos(2t)=5sin(2t+2π)
lauten die Summenkomponenten C=5 und D=5. Somit
A=52+52
Also
y(t)=52
Beispiel 10: Ergebnis durch Rückentwicklung prüfen
Das Ergebnis aus Beispiel 9 wird kontrolliert:
5
Die ursprüngliche Summe entsteht exakt wieder.
Beispiel 11: Zeitverschiebung der Resultierenden deuten
Gegeben ist
y(t)=6sin(4t+3π).
Für Asin(ωt+φ) liegt der charakteristische Beginn bei
t0=−ωφ.
Somit
t0=−4π/3=−
Die positive Phase bedeutet hier eine Verschiebung um 12π nach links.
Beispiel 12: Warum gleiche Frequenz notwendig ist
Bei
y(t)=sin(2t)+sin(3t)
stimmen die Kreisfrequenzen nicht überein. Es gibt daher keinen gemeinsamen festen Schwingungszeiger und keine Darstellung als
Asin(ωt+φ)
mit konstantem A, konstantem ω und konstanter φ. Die Form der Summe verändert sich innerhalb der Zeit; das Zeigerverfahren dieser Seite ist nicht anwendbar.
6. Grenzen der resultierenden Amplitude
Für zwei Schwingungen gilt stets
∣A1−A2∣≤A≤A
Gleiche Phase liefert die maximale Amplitude A1+A2.
Eine Phasendifferenz von π liefert die minimale Amplitude .
Diese Schranken sind eine schnelle Plausibilitätskontrolle für jedes Ergebnis.
7. Typische Fehler
Fehler
Warum er falsch ist
Bessere Kontrolle
Amplituden direkt addieren
Die Richtung der Zeiger wird ignoriert.
Zuerst Komponenten addieren.
Phasen mitteln
Winkel sind keine gewöhnlichen Gewichtswerte.
Summenzeiger und atan2 verwenden.
arctan(D/C) ohne Quadrantenprüfung
Zwei verschiedene Quadranten können denselben Quotienten besitzen.
Vorzeichen von prüfen oder nutzen.
8. Arbeitsabläufe
Schwingung als Zeiger darstellen
Amplitude A, Kreisfrequenz ω und Phase φ ablesen.
Prüfen, ob Grad- oder Bogenmaß verwendet wird.
Die waagrechte Komponente C=Acosφ berechnen.
Die senkrechte Komponente berechnen.
Zeiger in Komponenten zerlegen
Zeigerlänge und Winkel eindeutig erfassen.
Vom Zeiger ein rechtwinkliges Komponentendreieck denken.
Die Cosinuskomponente waagrecht bestimmen.
Die Sinuskomponente senkrecht bestimmen.
Vorzeichen über den Quadranten einsetzen.
Mit C2+D2=A2 kontrollieren.
Schwingungszeiger addieren
Gleiche Kreisfrequenz aller Schwingungen bestätigen.
Jeden Zeiger in Ck,Dk zerlegen.
Alle waagrechten Komponenten zu C addieren.
Alle senkrechten Komponenten zu addieren.
Resultierende bestimmen
Summenkomponenten C,D vollständig übernehmen.
Amplitude A=C2+D berechnen.
Ergebnis kontrollieren
Resultierende mit dem Additionstheorem entwickeln.
Koeffizient von sin(ωt) vergleichen.
Koeffizient von cos(ωt) vergleichen.
Prüfen, ob die Kreisfrequenz unverändert ist.
Die Amplitude mit geometrischen Grenzen vergleichen.
Sonderfälle wie Auslöschung oder Gegenphase deuten.
Merksätze
Nur Schwingungen gleicher Kreisfrequenz besitzen einen festen Summenzeiger.
A ist die Zeigerlänge, φ die Zeigerrichtung.
Komponenten werden addiert, nicht Amplituden oder Phasen.
A=C2+ und .
So gehst du vor
Schrittlisten
Öffne die passende Liste und arbeite die Schritte der Reihe nach ab.
FA 6.9 - Sinusschwingung als Zeiger darstellen
Amplitude und Phase einer gleichfrequenten Sinusschwingung sicher in eine Zeigerdarstellung übertragen.
1
Parameter ablesen
Amplitude, Kreisfrequenz und Phase aus der Sinusfunktion vollständig erfassen.
2
Winkelmodus festhalten
Grad- oder Bogenmaß erkennen und während der gesamten Rechnung beibehalten.
3
Cosinuskomponente bilden
Die waagrechte Komponente mit C=A*cos(phi) bestimmen.
4
Sinuskomponente bilden
Die senkrechte Komponente mit D=A*sin(phi) bestimmen.
5
Zeiger notieren
Beide Komponenten geordnet als Zeiger (C,D) anschreiben.
6
Zeiger prüfen
Länge, Richtung und Vorzeichen mit Amplitude und Phase vergleichen.
FA 6.9 - Schwingungszeiger in Komponenten zerlegen
Aus Zeigerlänge und Phase die waagrechte Cosinus- und senkrechte Sinuskomponente bestimmen.
Nächster Schritt
Festige das Thema mit passenden Aufgaben.
Starte eine Aufgabensammlung, speichere deinen Fortschritt und hole dir bei Bedarf schrittweise Unterstützung.