Interaktive Visualisierung
Numerische Verfahren
Viele mathematische Probleme werden nicht exakt, sondern schrittweise oder näherungsweise gelöst.
Newton-Verfahren
Startwert
Näherung
Genauigkeit
Fehler ≈ 0
Iteration
Ein Näherungswert erzeugt schrittweise den nächsten.
Trapezregel
Kleine Trapeze ersetzen die gekrümmte Fläche näherungsweise.
Genauigkeit
Mehr Iterationsschritte oder feinere Unterteilungen verbessern meist die Näherung.
Merke: Numerische Verfahren liefern Näherungswerte. Entscheidend ist deshalb nicht nur das Ergebnis, sondern auch die erreichte Genauigkeit und eine Plausibilitätskontrolle.
Numerische Nullstellenbestimmung und Integration
Kompetenzcode: AN 4.5
Bereich: Analysis
Manche und Integrale lassen sich nicht einfach exakt berechnen. Dann verwendet man ein numerisches Verfahren.
Numerisch bedeutet:
Wir berechnen einen Näherungswert und verbessern oder prüfen ihn systematisch.
Auf dieser Seite werden zwei verschiedene Probleme behandelt:
- Eine mit wird schrittweise angenähert.
- Ein bestimmtes Integral wird durch einfache Teilflächen angenähert.
Beide Verfahren liefern normalerweise keinen exakten Wert. Deshalb gehören Genauigkeit und Plausibilitätskontrolle immer zur Lösung.
1. Exakt oder näherungsweise?
Ein exaktes Ergebnis enthält keinen Rundungsfehler. Beispiele sind
oder
Ein numerisches Ergebnis ist eine Dezimalnäherung:
Das Zeichen bedeutet ungefähr gleich.
Wichtiger Unterschied
behauptet einen exakten Wert. Das ist hier nicht richtig. Korrekt ist
2. Nullstellen numerisch bestimmen
Eine Nullstelle ist eine Stelle , an der
gilt.
Bei einfachen kann man die Gleichung exakt lösen. Bei schwierigeren Funktionen verwendet man ein Näherungsverfahren oder ein elektronisches Hilfsmittel.
Ein Iterationsverfahren erzeugt aus einem Näherungswert den nächsten:
Dabei ist der Startwert. Die weiteren Werte sollen sich einer Nullstelle nähern.
3. Das Newton-Verfahren
Ein häufig verwendetes Verfahren ist das Newton-Verfahren. Es benötigt die Funktion , ihre Ableitung und einen Startwert .
Die Iterationsvorschrift lautet:
Die Formel sagt in einfachen Worten:
- Setze den aktuellen Näherungswert in und ein.
- Berechne die Korrektur .
Geometrisch geht man von der Tangente im Punkt zu ihrem Schnittpunkt mit der -Achse. Dieser Schnittpunkt ist der nächste Näherungswert.
4. Beispiel zum Newton-Verfahren
Gesucht ist die positive Nullstelle von
Es gilt
Wir wählen den Startwert
Erster Schritt
Zweiter Schritt
Dritter Schritt
Die Werte ändern sich kaum noch. Daher ist
eine sinnvolle Näherung auf vier Nachkommastellen.
5. Wann wird die Iteration beendet?
Ohne Abbruchregel könnte man immer weiterrechnen. In Aufgaben wird deshalb eine Genauigkeit vorgegeben.
Abbruch nach der Änderung der Näherungswerte
Ein häufiges Kriterium lautet:
Dabei ist die gewünschte Toleranz.
Beispiel:
Sobald sich zwei aufeinanderfolgende Werte um weniger als unterscheiden, kann die Iteration nach diesem Kriterium beendet werden.
Prüfung mit dem Funktionswert
Eine angenäherte Nullstelle sollte zusätzlich die Gleichung fast erfüllen:
Ein kleiner Wert von ist ein gutes Zeichen. Er ersetzt aber nicht jede Fehlerbetrachtung: Bei einer sehr flachen Funktion kann auch ein kleiner Funktionswert noch zu einem merklichen Fehler in gehören.
Richtig runden
Zuerst wird mit mehreren Stellen gerechnet. Erst das Endergebnis wird auf die verlangte Genauigkeit gerundet. Zu frühes Runden kann die folgenden Iterationsschritte verändern.
6. Wann kann das Newton-Verfahren scheitern?
Das Newton-Verfahren ist oft schnell, aber nicht für jeden Startwert zuverlässig.
Problem 1: Ableitung gleich null
Ist
dann ist der Bruch in der Newton-Formel nicht definiert.
Problem 2: Ableitung fast null
Ist sehr klein, kann die Korrektur sehr groß werden. Der nächste Wert springt dann möglicherweise weit von der gesuchten Nullstelle weg.
Problem 3: Ungünstiger Startwert
Die Folge kann sich einer anderen Nullstelle nähern, zwischen Werten springen oder gar nicht konvergieren.
Praktische Folgerung
Vor der Rechnung sollte der Graph betrachtet oder ein Intervall mit Vorzeichenwechsel gesucht werden:
Bei einer stetigen Funktion liegt dann mindestens eine Nullstelle zwischen und .
7. Nullstellen mit Technologie bestimmen
Ein Taschenrechner, CAS oder GeoGebra kann Nullstellen direkt oder iterativ berechnen. Trotzdem müssen Eingabe und Ergebnis geprüft werden.
Sinnvoller Ablauf
- Funktion korrekt eingeben.
- Graph betrachten und einen passenden Suchbereich wählen.
- Nullstellenbefehl oder Iterationsverfahren verwenden.
- Genügend Dezimalstellen anzeigen lassen.
- Das Ergebnis in einsetzen.
- Das Ergebnis passend runden und mit angeben.
Plausibilitätskontrolle
Für einen berechneten Wert sollte gelten:
Außerdem sollte der Graph in der Nähe von die -Achse schneiden oder berühren.
8. Bestimmte Integrale numerisch bestimmen
Ein bestimmtes Integral
kann als orientierter Flächeninhalt gedeutet werden. Numerische Integrationsverfahren ersetzen den gekrümmten Graphen durch einfachere Teilstücke.
Das Grundprinzip lautet:
Teile das Intervall, ersetze den Graphen näherungsweise und addiere die Teilflächen.
Wir teilen das Intervall in gleich breite Teilintervalle. Die Schrittweite ist
und die Stützstellen sind
9. Die zusammengesetzte Trapezregel
Bei der Trapezregel werden benachbarte Punkte des Graphen durch Geraden verbunden. Unter jedem Geradenstück entsteht ein Trapez.
Für ein Teilintervall gilt näherungsweise:
Für das gesamte Intervall erhält man:
Die beiden Randwerte erhalten also das Gewicht . Alle inneren Werte erhalten das Gewicht .
Beispiel
Wir nähern
mit Trapezen an.
Die Schrittweite ist
Einsetzen liefert:
Der exakte Integralwert ist . Die Trapezregel liefert hier also eine gute, aber nicht exakte Näherung.
10. Die Keplersche Fassregel
Die Keplersche Fassregel verwendet die beiden Randwerte und zusätzlich den Wert in der Mitte des Intervalls.
Mit
gilt:
Die Gewichte sind leicht zu merken:
Beispiel
Für auf ist
Damit gilt:
In diesem Beispiel trifft die Keplersche Fassregel den exakten Wert. Das gilt nicht für jede Funktion.
11. Die zusammengesetzte Simpsonregel
Die Simpsonregel wendet die Idee der Keplerschen Fassregel wiederholt auf mehrere Teilintervalle an.
Wichtig:
Mit
lautet die Formel:
Die Gewichte lauten daher:
Die Randwerte werden einmal gezählt. Die inneren Werte erhalten abwechselnd das Gewicht und .
Beispiel mit
Für dieselbe Wertetabelle gilt:
Auch hier ist das Ergebnis exakt, weil die verwendete Funktion ein Polynom zweiten Grades ist. Im Allgemeinen bleibt ein Näherungswert.
Zusammenhang zwischen Kepler und Simpson
Die Keplersche Fassregel ist der Grundbaustein. Die zusammengesetzte Simpsonregel verwendet diesen Baustein auf mehreren Paaren von Teilintervallen.
12. Welche Integrationsregel passt?
Wenn die Aufgabe ein Verfahren vorgibt, wird genau dieses verwendet. Wenn frei gewählt werden darf, sind Simpson- oder Keplerregel bei glatten Funktionen oft genauer als die Trapezregel. Eine Garantie folgt daraus aber nicht ohne weitere Voraussetzungen.
13. Numerische Integration mit Technologie
Ein elektronisches Hilfsmittel kann ein bestimmtes Integral direkt numerisch berechnen. Auch dann muss die Eingabe vollständig sein:
- Funktion
- Integrationsvariable
- untere Grenze
- obere Grenze
Sinnvoller Ablauf
- Funktion und Intervall korrekt eingeben.
- Graph im Intervall betrachten.
- Numerischen Integralbefehl ausführen.
- Ausreichend Dezimalstellen anzeigen lassen.
- Ergebnis passend runden.
- Vorzeichen und Größenordnung prüfen.
14. Plausibilitätskontrolle
Numerische Ergebnisse müssen zur Aufgabe passen.
Bei einer Nullstelle
- Liegt der Wert im erwarteten Bereich?
- Gilt ?
- Zeigt der Graph dort einen Schnitt oder eine Berührung mit der -Achse?
- Haben sich die letzten Näherungswerte stabilisiert?
Bei einem Integral
- Ist das Vorzeichen sinnvoll?
- Ist die Größenordnung plausibel?
- Wurde die Intervallbreite berücksichtigt?
- Wurden bei der Simpsonregel die Gewichte korrekt gesetzt?
- Ist bei einem Sachkontext die Einheit richtig?
Ist im ganzen Intervall, muss auch
gelten.
Liegt der Funktionswert auf einem Intervall der Breite ungefähr zwischen und , wäre ein Integralwert wie plausibel. Ein Wert wie wäre dagegen offensichtlich verdächtig.
15. Typische Fehler
Fehler 1: Exaktheitszeichen verwenden
Falsch:
Richtig:
Fehler 2: Beim Newton-Verfahren vergessen
Die Korrektur lautet
nicht nur .
Fehler 3: Zu früh runden
Zwischenergebnisse werden mit mehreren Stellen weiterverwendet. Erst am Ende wird gerundet.
Fehler 4: Abbruch ohne Kontrolle
Zwei ähnliche Näherungswerte allein beweisen nicht immer, dass die richtige Nullstelle gefunden wurde. Zusätzlich wird geprüft.
Fehler 5: Falsche Schrittweite
und nicht .
Fehler 6: Randwerte der Trapezregel doppelt zählen
In der zusammengefassten Formel erhalten die Randwerte jeweils das Gewicht .
Fehler 7: Ungerades bei der Simpsonregel
Die zusammengesetzte Simpsonregel benötigt eine gerade Anzahl von Teilintervallen.
Fehler 8: Simpson-Gewichte vertauschen
Die Reihenfolge lautet
16. Allgemeiner Arbeitsplan
Numerische Nullstelle
- Funktion und gesuchte Nullstelle klären.
- Graph oder Vorzeichenwechsel betrachten.
- Geeigneten Startwert wählen.
- Iterationsvorschrift vollständig notieren.
- Näherungswerte mit ungerundeten Zwischenwerten berechnen.
- Abbruchkriterium prüfen.
- Endwert in einsetzen.
- Ergebnis passend gerundet mit angeben.
Numerisches Integral
- Funktion und Grenzen notieren.
- Anzahl der Teilintervalle prüfen.
- Schrittweite berechnen.
- Stützstellen und Funktionswerte bestimmen.
- Vorgegebene Integrationsregel auswählen.
- Gewichte sorgfältig einsetzen.
- Näherungswert berechnen und erst am Ende runden.
- Vorzeichen, Größenordnung und Einheit prüfen.
Merksätze
- Numerische Verfahren liefern Näherungswerte.
- Beim Newton-Verfahren erzeugt den nächsten Wert .
- Ein guter Näherungswert erfüllt .