Regression und kleinste Quadrate
Kompetenzcode: WS 5.1
Bereich: Wahrscheinlichkeit und Statistik
Bivariate Daten bestehen aus Wertepaaren . Eine Ausgleichsfunktion beschreibt ihren Zusammenhang näherungsweise. Sie soll nicht jeden Punkt treffen, sondern nach einem festgelegten Kriterium insgesamt gut zu den Daten passen.
1. Punktwolke und Ausgleichsproblem
Beispiel 1: Zusammenhang beschreiben
Steigen die Punkte einer Punktwolke von links unten nach rechts oben und liegen sie ungefähr entlang einer Geraden, spricht das für einen positiven linearen Zusammenhang. Eine fallende Wolke deutet auf einen negativen Zusammenhang; eine gekrümmte Struktur kann ein nichtlineares Modell verlangen.
Beispiel 2: Bivariate Daten erkennen
Zu jeder Person werden Lernzeit in Stunden und Testergebnis in Punkten erfasst. Da zwei Merkmale paarweise an derselben Person gemessen werden, liegen bivariate Daten vor. Getrennte Mittelwerte allein beschreiben ihren Zusammenhang nicht.
2. Residuen und Fehlerquadratsumme
Für ein Modell ist das Residuum
Ein positiver Wert bedeutet, dass der beobachtete Punkt über dem Modell liegt. Die Fehlerquadratsumme lautet
Beispiel 3: Residuum bestimmen
Für den Punkt und das Modell ist . Daher
Beispiel 4: Fehlerquadratsumme vergleichen
Zwei Modelle liefern für drei Punkte die Residuen beziehungsweise . Dann
Nach dem Kleinste-Quadrate-Kriterium passt Modell 1 besser zu diesen Daten.
3. Lineare Regression
Die lineare Regressionsfunktion hat die Form
Mit und gelten
Sie minimiert die Summe der vertikal quadrierten Residuen. Technologie liefert , und oft auch , wenn die Wertepaare korrekt in zwei Listen eingegeben werden.
Beispiel 5: Regressionsgerade bestimmen
Für , , sind und . Daraus folgt
also
Beispiel 6: Residuen der Regressionsgeraden
Die Modellwerte zu sind ungefähr , , . Die Residuen sind
und damit
Die positiven und negativen Residuen zeigen, ob Punkte über oder unter der Geraden liegen.
Beispiel 7: im Kontext deuten
Beschreibt Lernstunden und Punkte, bedeutet : Pro zusätzlicher Lernstunde steigt der modellierte Testwert im Mittel um Punkte. ist der Modellwert bei . Liegt außerhalb des beobachteten Bereichs oder ist der Wert fachlich unplausibel, soll der Achsenabschnitt nicht überinterpretiert werden.
Beispiel 8: Prognose und Interpolation
Für liefert das Modell
Da zwischen den beobachteten Werten und liegt, ist dies eine Interpolation.
4. Korrelationskoeffizient und Modelleignung
Der Pearson-Korrelationskoeffizient ist
Das Vorzeichen beschreibt die Richtung, der Betrag die Stärke eines linearen Zusammenhangs.
Beispiel 9: Korrelation bestimmen und deuten
Für die drei Wertepaare aus Beispiel 5 ergibt sich
Das bedeutet einen sehr starken positiven linearen Zusammenhang in diesem kleinen Datensatz. Es beweist nicht, dass mehr Lernzeit allein die höhere Punktezahl verursacht.
Beispiel 10: Residuenmuster erkennen
Sind Residuen links und rechts positiv, in der Mitte aber überwiegend negativ, zeigt sich eine gekrümmte Struktur. Trotz eines möglicherweise großen kann eine Gerade ungeeignet sein. Gute lineare Residuen streuen ohne erkennbares Muster um .
5. Andere Ausgleichsfunktionen und Extrapolation
Beispiel 11: Funktionstyp auswählen
Eine ungefähr konstante Differenz pro Zeiteinheit spricht für ein lineares Modell; ein ungefähr konstanter für ein exponentielles Modell; ein Wendepunkt oder Sättigungsverhalten kann andere Modelle verlangen. Die Wahl wird aus Punktwolke, Kontext und Residuen begründet und anschließend technologisch angepasst.
Beispiel 12: Extrapolation beurteilen
Wird das Modell aus Daten für bei verwendet, liegt eine Extrapolation vor. Der Rechenwert ist formal leicht bestimmbar, aber wesentlich unsicherer: Außerhalb des beobachteten Bereichs kann sich der Zusammenhang ändern oder das Ergebnis sachlich unmöglich werden.
Typische Fehler
- Wertepaare werden beim Eingeben getrennt oder vertauscht.
- Residuum wird als statt berechnet.
Merksätze
- Die Punktwolke kommt vor der Regressionsrechnung.
- Kleinste Quadrate minimiert .