Merkmalstypen und weitere statistische Kennzahlen
Kompetenzcode: WS 1.5
Bereich: Wahrscheinlichkeit und Statistik
Bevor Daten ausgewertet werden, muss klar sein, welche Art von Merkmal vorliegt. Der Merkmalstyp entscheidet, welche Ordnung, Kennzahl und Grafik sinnvoll ist. Eine Zahl ist nicht automatisch ein quantitatives Merkmal: Postleitzahlen sind Zahlen, dienen aber nur als Bezeichnungen.
1. Qualitative und quantitative Merkmale
Ein qualitatives Merkmal beschreibt Kategorien. Ein quantitatives Merkmal nimmt zählbare oder messbare Zahlenwerte an. Quantitative Merkmale können diskret oder stetig sein.
Beispiel 1: Qualitatives Merkmal erkennen
Die Augenfarbe mit den Ausprägungen braun, blau, grün und grau besteht aus Kategorien. Die Ausprägungen sind qualitativ; Rechenoperationen wie ein Mittelwert sind nicht sinnvoll.
Beispiel 2: Quantitatives Merkmal erkennen
Die Körpergröße in Zentimetern ist messbar. Differenzen wie haben eine sachliche Bedeutung. Das Merkmal ist quantitativ und metrisch.
Beispiel 3: Diskret und stetig unterscheiden
Die Anzahl der Geschwister ist quantitativ und diskret, weil nur Werte möglich sind. Die Wartezeit ist quantitativ und stetig, weil prinzipiell jeder Wert in einem auftreten kann.
2. Nominal-, Ordinal- und metrische Skala
Beispiel 4: Nominalskalierte Daten
Das Verkehrsmittel zur Schule ist nominalskaliert. Zwischen Bus, Fahrrad und Fußweg besteht keine allgemeingültige Rangfolge. Ein Säulen- oder Kreisdiagramm und der Modus sind geeignet.
Beispiel 5: Ordinalskalierte Daten
Eine Zufriedenheitsskala mit „sehr unzufrieden“, „unzufrieden“, „neutral“, „zufrieden“, „sehr zufrieden“ besitzt eine natürliche Ordnung. Die Abstände zwischen den Stufen müssen aber nicht gleich groß sein. Median und Rangvergleiche sind zulässig; ein arithmetisches Mittel ist nur mit zusätzlicher Modellannahme zu deuten.
Beispiel 6: Numerischer Code ist nicht automatisch metrisch
Die Postleitzahlen und sind Bezeichnungen. Die Differenz beschreibt keine sinnvolle räumliche Entfernung. Das Merkmal ist trotz Ziffern nominalskaliert.
Beispiel 7: Datentyp begründet auswählen
Für Schulnoten gilt: Die Zahlen bis haben eine Rangfolge, aber der Leistungsabstand von zu muss nicht gleich groß sein wie von zu . Schulnoten werden daher ordinalskaliert behandelt.
3. Geometrisches Mittel
Für positive Werte lautet das geometrische Mittel
Es ist besonders geeignet, wenn sich Größen multiplikativ verändern, etwa durch Wachstumsfaktoren.
Beispiel 8: Geometrisches Mittel positiver Werte
Für und gilt
Das arithmetische Mittel wäre . Beide Kennzahlen beantworten unterschiedliche Fragen: ist der gemeinsame multiplikative -Mittelwert, der additive Ausgleichswert.
Beispiel 9: Mittlerer Wachstumsfaktor
Eine Größe verändert sich in drei Jahren mit den Faktoren , und . Der mittlere Faktor ist
Das entspricht einem mittleren Änderungssatz von etwa pro Jahr.
Beispiel 10: Gesamtänderung kontrollieren
Mit dem mittleren Faktor aus Beispiel 9 entsteht über drei Perioden
Damit bleibt dieselbe Gesamtänderung von erhalten. Das arithmetische Mittel der Prozentsätze würde diesen multiplikativen Zusammenhang nicht exakt bewahren.
Beispiel 11: Anwendungsgrenze
Das übliche reelle geometrische Mittel setzt positive Werte voraus. Bei Null oder negativen Messwerten ist die Standardformel für Wachstumsfaktoren nicht sachgerecht. Dann muss zuerst geklärt werden, ob eine andere Kennzahl oder eine fachlich begründete Transformation sinnvoll ist.
Typische Fehler
- Numerische Bezeichnungen werden fälschlich als metrische Daten behandelt.
- Eine Rangfolge allein macht Abstände noch nicht messbar.
- Der Mittelwert wird auf nominale Kategorien angewendet.
- Beim geometrischen Mittel werden Prozentsätze statt Änderungsfaktoren multipliziert.
- Der mittlere Faktor wird mit dem mittleren Änderungssatz verwechselt.
Merksätze
- Erst Merkmalstyp und Skala, dann Kennzahl und Grafik.
- Nominal bedeutet keine Ordnung, ordinal bedeutet Rangordnung, metrisch bedeutet sinnvolle Abstände.
- Qualitative Merkmale liefern Kategorien; quantitative Merkmale liefern zähl- oder messbare Werte.
- Das geometrische Mittel erhält die Gesamtwirkung multiplikativer Faktoren.