Wahrscheinlichkeit und Statistik32 SchrittlistenPDF verfügbar
Bei einem Laplace-Experiment sind alle Ergebnisse des Grundraums gleich wahrscheinlich. Dann kann eine Wahrscheinlichkeit durch Zählen bestimmt werden.
Zentrales Ziel: Zuerst die Gleichwahrscheinlichkeit prüfen, danach passende und alle Ergebnisse zählen und schließlich die richtige Rechenregel anwenden.
1. Anschluss an Grundraum und relative Häufigkeit
Aus den vorigen Themen werden verwendet:
der Grundraum Ω,
ein Ereignis A⊆Ω,
das Gegenereignis ,
<!-- WS23_BAUMDIAGRAMME_V1 -->
So gehst du vor
Schrittlisten
Öffne die passende Liste und arbeite die Schritte der Reihe nach ab.
WS 2.3 – Grundbegriffe und Voraussetzungen sichern
Begriffe, Zeichen, Größen und Voraussetzungen der Kompetenz systematisch klären.
1
Aufgabenart erkennen
Ordne die Aufgabe dem passenden mathematischen Thema zu.
2
Gegebene Größen markieren
Notiere Werte, , Einheiten und Bedingungen übersichtlich.
3
Begriffe erklären
Formuliere die zentralen Begriffe in eigenen Worten.
4
Voraussetzungen prüfen
Kontrolliere Definitionsbereich, Modellannahmen und zulässige Werte.
5
Zielgröße festlegen
Schreibe auf, was berechnet, entschieden oder interpretiert werden soll.
6
Passende Darstellung wählen
Entscheide zwischen Text, Tabelle, Graph, oder Skizze.
Digitales Werkzeug
GeoGebra
Wichtige Befehle und ihre Verwendung zu diesem Thema.
GeoGebra-Übersicht: WS 2.3 – Laplace-Wahrscheinlichkeit und Rechenregeln
Diese Übersicht ist von der Tutor-Zusammenfassung getrennt. Die Befehle dienen zur Darstellung, Kontrolle und Untersuchung; die mathematische Entscheidung muss vorher nachvollzogen werden.
1. Befehlsübersicht
Befehl
Syntax
Verwendung
Beispiel
Ansicht
Voraussetzung
BinomialKoeffizient
BinomialKoeffizient(n,k)
Anzahl von Auswahlen berechnen
BinomialKoeffizient(8,3)
CAS
Ganze Zahlen n,k
Zufallszahl
<!-- WS23_BAUMDIAGRAMME_GEOGEBRA_V1 -->
Nächster Schritt
Festige das Thema mit passenden Aufgaben.
Starte eine Aufgabensammlung, speichere deinen Fortschritt und hole dir bei Bedarf schrittweise Unterstützung.
die relative Häufigkeit als Schätzwert aus beobachteten Daten.
In diesem Thema werden theoretische Wahrscheinlichkeiten für gleich wahrscheinliche Ergebnisse berechnet.
2. Laplace-Experiment
Ein Zufallsexperiment heißt Laplace-Experiment, wenn alle Ergebnisse des Grundraums gleich wahrscheinlich sind.
Beispiele:
ein fairer Würfel,
eine faire Münze,
ein Glücksrad mit gleich großen Sektoren,
eine zufällig gezogene Karte aus einem gut gemischten Kartensatz.
Kein Laplace-Experiment liegt vor, wenn einzelne Ergebnisse unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten besitzen.
Prüffrage: Sind wirklich alle Ergebnisse aus Ω gleich wahrscheinlich?
3. Passend durch Alle
Für ein Ereignis A gilt bei einem Laplace-Experiment:
P(A)=∣Ω∣∣A∣.
Dabei bedeutet:
∣A∣: Anzahl der passenden Ergebnisse,
∣Ω∣: Anzahl aller gleich wahrscheinlichen Ergebnisse.
Der Fachbegriff für passende Ergebnisse lautet günstige Ergebnisse.
P(A)=AllePassend
Merksatz: Erst Gleichwahrscheinlichkeit prüfen, dann „Passend durch Alle“ rechnen.
4. Grundbeispiel: fairer Würfel
Beim fairen Würfel gilt:
Ω={1,2,3,4,5,6}.
Sei:
A=„Zahl gro¨ßer als 4“={5,6}.
Dann:
∣A∣=2
und:
∣Ω∣=6.
Somit:
P(A)=∣Ω∣∣A∣=62=31.
5. Sicheres und unmögliches Ereignis
Das sichere Ereignis ist der gesamte Grundraum:
P(Ω)=1.
Das unmögliche Ereignis enthält kein Ergebnis:
P(∅)=0.
Für jede Wahrscheinlichkeit gilt:
0≤P(A)≤1.
Eine Wahrscheinlichkeit kann auch als Prozentwert angegeben werden:
0≤P(A)≤100%.
6. Bruch, Dezimalzahl und Prozent
Dieselben Wahrscheinlichkeiten können unterschiedlich dargestellt werden:
41=0,25=25%.
Bei einem periodischen Wert wird erst am Ende gerundet:
31=0,333⋯≈0,333≈33,3%.
7. Gleichwahrscheinlichkeit richtig beurteilen
Fairer Würfel
Alle sechs Augenzahlen sind gleich wahrscheinlich.
Die Laplace-Formel ist anwendbar.
Glücksrad mit gleich großen Sektoren
Jeder Sektor ist gleich wahrscheinlich.
Die Laplace-Formel ist anwendbar, wenn die einzelnen Sektoren als Ergebnisse betrachtet werden.
Glücksrad mit unterschiedlich großen Sektoren
Die Sektoren sind nicht gleich wahrscheinlich.
Bloßes Zählen der Beschriftungen reicht nicht.
Gezinkter Würfel
Die Augenzahlen sind nicht gleich wahrscheinlich.
Die Laplace-Formel ist nicht anwendbar.
8. Gegenereignisregel
Das Gegenereignis A enthält alle Ergebnisse aus Ω, die nicht zu A gehören.
P(A)=1−P(A).
Kurzes Beispiel
Beim fairen Würfel gilt:
Ω={1,2,3,4,5,6}.
Sei:
A={1,2}.
Dann:
P(A)=62=31.
Das Gegenereignis lautet:
A={3,4,5,6}.
Somit:
P(A)=1−P(A)=1−31=32.
Kontrolle:
P(A)+P(A)=31+32=1.
Ebenso gilt allgemein:
P(A)=1−P(A).
9. Sprachliche Verneinung mit Menge
Beim Würfeln gilt:
Ω={1,2,3,4,5,6}.
Sei:
A=„Zahl gro¨ßer als 2“={3,4,5,6}.
Das Gegenereignis lautet vollständig:
A=„Zahl nicht gro¨ßer als 2“=„Zahl ho¨chstens 2“={1,2}.
Dann:
P(A)=64=32
und:
P(A)=1−32=31.
Falsch wäre:
„Zahl kleiner als 2“={1}.
Dabei würde die 2 fehlen.
10. Wann hilft das Gegenereignis?
Die Gegenereignisregel ist praktisch, wenn das Gegenereignis leichter zu beschreiben oder zu zählen ist.
Beispiel mit Karten 1 bis 10:
Ω={1,2,3,4,5,6,7,8,9,10}.
Sei:
A=„nicht durch 5 teilbar“={1,2,3,4,6,7,8,9}.
Das Gegenereignis lautet:
A=„durch 5 teilbar“={5,10}.
Dann:
P(A)=1−P(A)=1−102=108=54.
11. Vereinigung: „A oder B“
Das Ereignis
A∪B
tritt ein, wenn A, B oder beide Ereignisse eintreten.
Beim mathematischen „oder“ ist der gemeinsame Fall eingeschlossen.
12. Allgemeine Additionsregel
Für zwei Ereignisse gilt:
P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩B).
Der Schnitt wird abgezogen, weil die gemeinsamen Ergebnisse in
P(A)+P(B)
zweimal enthalten sind.
13. Beispiel mit Überschneidung
Beim Würfeln sei:
A=„gerade Zahl“={2,4,6}
und:
B=„Zahl gro¨ßer als 3“={4,5,6}.
Der Schnitt lautet:
A∩B=„gerade und gro¨ßer als 3“={4,6}.
Die Vereinigung lautet:
A∪B=„gerade oder gro¨ßer als 3“={2,4,5,6}.
Direkt durch Zählen:
P(A∪B)=64=32.
Mit der Additionsregel:
P(A∪B)=63+63−62=64=32.
14. Typischer Fehler: Schnitt vergessen
Falsch:
P(A∪B)=P(A)+P(B)=63+63=1.
Die Ergebnisse 4 und 6 wurden doppelt gezählt.
Richtig:
P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩B).
15. Disjunkte Ereignisse
Zwei Ereignisse sind disjunkt, wenn sie kein gemeinsames Ergebnis besitzen:
A∩B=∅.
Dann vereinfacht sich die Additionsregel zu:
P(A∪B)=P(A)+P(B).
Beispiel beim Würfeln:
A={1,2}
und:
B={5,6}.
Da:
A∩B=∅,
gilt:
P(A∪B)=62+62=64=32.
Merksatz: Einfach addieren darf man nur, wenn kein Ergebnis in beiden Ereignissen liegt.
16. Direkte Kontrolle durch Aufzählen
Bei einem kleinen Grundraum kann die Rechenregel direkt kontrolliert werden.
Beispiel:
A∪B={2,4,5,6}.
Direktes Zählen:
P(A∪B)=64.
Additionsregel:
P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩B)=64.
Beide Wege müssen dasselbe Ergebnis liefern.
17. Vorgehensweise
Schritt
Leitfrage
1. Grundraum
Welche Ergebnisse sind möglich?
2. Laplace-Prüfung
Sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich?
3. Ereignis
Welche Ergebnisse passen zur Bedingung?
4. Mengen
Wie lauten A, B, A, A∩B oder A∪B?
5. Regel
Reicht „Passend durch Alle“, braucht man das Gegenereignis oder die Additionsregel?
6. Rechnung
Wurden Zähler und Nenner richtig zugeordnet?
7. Kontrolle
Liegt das Ergebnis zwischen 0 und 1?
8. Deutung
Welche Wahrscheinlichkeit wurde berechnet?
18. Typische Fehler
Gleichwahrscheinlichkeit nicht geprüft
Die Laplace-Formel darf nur bei gleich wahrscheinlichen Ergebnissen verwendet werden.
Grundraum unvollständig
Fehlende Ergebnisse verändern den Nenner.
Passend und Alle vertauscht
Richtig:
P(A)=AllePassend.
Ereignis nicht als Menge angegeben
Ohne Menge werden passende Ergebnisse leicht übersehen.
Gegenereignis falsch formuliert
Zu:
A=„gro¨ßer als 2“={3,4,5,6}
gehört:
A=„ho¨chstens 2“={1,2}.
Überschneidung doppelt gezählt
Bei A∪B muss der Schnitt A∩B abgezogen werden.
Wahrscheinlichkeit außerhalb des Wertebereichs
Ein Ergebnis kleiner als 0 oder größer als 1 zeigt einen Fehler.
Zu früh gerundet
Brüche möglichst zuerst exakt berechnen und erst am Ende runden.
19. Kontrollfragen
Ist das Experiment ein Laplace-Experiment?
Ist Ω vollständig?
Wurde das Ereignis als Menge angegeben?
Wurden passende und alle Ergebnisse richtig gezählt?
Liegt die Wahrscheinlichkeit zwischen 0 und 1?
Ergänzen sich Ereignis und Gegenereignis zu 1?
Wurde bei „oder“ eine Überschneidung berücksichtigt?
Stimmen direkte Zählung und Rechenregel überein?
Zusammenfassung
Bei einem Laplace-Experiment sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich.
Es gilt:
P(A)=∣Ω∣∣A∣=AllePassend.
Wahrscheinlichkeiten liegen zwischen 0 und 1.
Für das Gegenereignis gilt:
P(A)=1−P(A).
Sprachliche Verneinungen werden gemeinsam mit ihrer Menge angegeben.
Für die Vereinigung gilt:
P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩
Bei disjunkten Ereignissen ist der Schnitt leer.
Direkte Aufzählung und Rechenregel müssen zum selben Ergebnis führen.
Ergänzung: Baumdiagramme und mehrstufige Zufallsversuche
Bei einem mehrstufigen Zufallsversuch wird ein Zufallsexperiment mehrmals hintereinander durchgeführt.
Ein Baumdiagramm zeigt
die möglichen Ergebnisse jeder Stufe,
die Wahrscheinlichkeiten an den Ästen,
alle vollständigen Ergebnisfolgen als Pfade.
Leitidee: Entlang eines Pfades wird multipliziert. Verschiedene günstige Pfade werden addiert.
20. Aufbau eines Baumdiagramms
Jede Versuchsstufe bildet eine neue Verzweigung.
An jedem Knoten müssen sich die Wahrscheinlichkeiten aller ausgehenden Äste zu 1 ergänzen.
Beispiel:
P(R)+P(B)=1.
Ein vollständiger Pfad beschreibt eine vollständige Ergebnisfolge, zum Beispiel
RR,RB,BR,BB.
21. Erste Pfadregel: Entlang eines Pfades multiplizieren
Die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Pfades erhält man durch Multiplikation der Astwahrscheinlichkeiten.
P(Pfad)=P(1. Ast)⋅P(2. Ast)⋅…
Beispiel:
P(RB)=P(R)⋅P(B nach R).
22. Zweite Pfadregel: Günstige Pfade addieren
Kann ein Ereignis über mehrere verschiedene Pfade eintreten, werden deren Wahrscheinlichkeiten addiert.
P(E)=P(Pfad 1)+P(Pfad 2)+…
Das Ereignis „genau einmal rot“ besteht bei zwei Ziehungen aus den Pfaden
RB
und
BR.
Daher:
P(genau einmal rot)=P(RB)+P(BR).
23. Ziehen mit Zurücklegen
Eine Urne enthält 3 rote und 2 blaue Kugeln. Es wird zweimal gezogen. Nach der ersten Ziehung wird die Kugel zurückgelegt.
Dadurch bleibt die Zusammensetzung der Urne unverändert.
In jeder Stufe gilt:
P(R)=53
und
P(B)=52.
Für zweimal rot:
P(RR)=53⋅53=259.
Für genau einmal rot:
P(genau einmal rot)=P(RB)+P(BR)=53⋅5
24. Ziehen ohne Zurücklegen
Nun wird die zuerst gezogene Kugel nicht zurückgelegt.
Nach der ersten Ziehung befinden sich nur noch 4 Kugeln in der Urne. Die Wahrscheinlichkeiten der zweiten Stufe ändern sich.
Nach einer roten Kugel gilt:
P(R in der 2. Stufe∣R in der 1. Stufe)=42.
Nach einer blauen Kugel gilt:
P(R in der 2. Stufe∣B in der 1. Stufe)=43.
Die Schreibweise beschreibt hier nur den jeweiligen Ast im Baumdiagramm. Die formale bedingte Wahrscheinlichkeit wird in diesem Thema noch nicht systematisch behandelt.
Für zweimal rot:
P(RR)=53⋅42=206=103.
Für genau einmal rot:
P(genau einmal rot)=P(RB)+P(BR)=53⋅4
25. Mit und ohne Zurücklegen vergleichen
Merkmal
Mit Zurücklegen
Ohne Zurücklegen
Anzahl der Kugeln vor der zweiten Ziehung
unverändert
um 1 kleiner
Astwahrscheinlichkeiten der zweiten Stufe
gleich wie in der ersten Stufe
abhängig von der ersten Ziehung
Nenner im Beispiel
wieder 5
danach 4
Zusammensetzung
bleibt gleich
verändert sich
Kontrollfrage: Wurde nach der ersten Ziehung die Kugel zurückgelegt?
26. Mindestens einmal mit dem Gegenereignis
Das Ereignis „mindestens einmal rot“ besitzt mehrere günstige Pfade.
Oft ist das Gegenereignis einfacher:
E=„keinmal rot“.
Daher:
P(mindestens einmal rot)=1−P(keinmal rot)
Beim Ziehen mit Zurücklegen:
P(mindestens einmal rot)=1−P(BB)=1−52⋅52
27. Baumdiagramm vollständig kontrollieren
Ein korrektes Baumdiagramm erfüllt mehrere Bedingungen:
Alle möglichen Ergebnisse jeder Stufe sind eingetragen.
Die ausgehenden Astwahrscheinlichkeiten an jedem Knoten ergeben 1.
Jeder vollständige Pfad beschreibt genau eine Ergebnisfolge.
Entlang eines Pfades wird multipliziert.
Verschiedene günstige Pfade werden addiert.
Mit und ohne Zurücklegen werden nicht verwechselt.
Die Summe aller vollständigen Pfadwahrscheinlichkeiten beträgt 1.
28. Typische Fehler bei Baumdiagrammen
Eine mögliche Verzweigung fehlt.
Die Astwahrscheinlichkeiten an einem Knoten ergeben nicht 1.
Entlang eines Pfades wird addiert statt multipliziert.
Verschiedene Pfade werden multipliziert statt addiert.
RB und BR werden als derselbe Pfad behandelt.
Ohne Zurücklegen bleibt der Nenner fälschlich unverändert.
„Mindestens einmal“ wird mit „genau einmal“ verwechselt.
Das Gegenereignis wird nicht vollständig formuliert.
Die Wahrscheinlichkeit wird größer als 1.
Ein nicht gleich wahrscheinlicher Baum wird fälschlich mit „Passend durch Alle“ berechnet.